Für die meisten Menschen bedeutet der Ge danke, in Berlin Kohlenbergbau zu treibefl eine Überraschung, ja es fällt schwer, einen solchen Plan ganz ernst zu nehmen. Wann es ia Berlin Kohle gibt, warum hat man das nicht schon längst gewußt, sk nicht schön längst ausgebeutet? Audi der Fachmann wird an dea Plan, innerhalb des Berliner Stadtgebietes Schächte abzuteufen, von dort aus Strecken zu treiben und Kohlen womöglich in" großen Mengen abzubauen, nur mit großer Zurückhat tung herantreten. Berlin liegt im Urstromtal der Spree und Havel, so daß der Untergrund von besonders viel Wasser erfüllt sein muß. G&schulte Bergleute wird man in der Stadt schwer lieh fiaden, und das Häusermeer scheint aus reichenden Platz für einen auch nur halbwegs umfangreichen Bergbau nirgends zu bieten. So berechtigt alle solche Bedenken sein mögen, s<s ist doch der Bergbauplan keineswegs so abwegig. ad ungewöhnlich, wie der Uneingeweihte annehmen mag. Der Berliner Untergrund ist durchs Hunderte von Bohrungen bekannt, die teils zur Aufsuchung von Wasser, ja auch von Solquellen, teilweise zur Untersuchung des Baugrundes irf früheren Jahren gestoßen worden sind. Weiter im Süden, in der Lausitz und im Mitteldeutschen Revier von Halle Merseburg, werden Braunkohlenlager in umf angreichen Tagebauen abgebaut und die gewonnene Kohle teils in Form von Elektrizität, teils zu Brikets veredelt, auf weite Entfernung versandt. Auch Berlin wurde, namentlich mit Hausbrand, großenteils aus dieseij Brermstoffquellen versorgt. Aber die gleichen Flöze erstrecken sich, wenn auch weniger mächtig und weniger gleichmäßig ausgebildet, bis weit nach Norden; namentlich b den Bohrungen im Berliner Untergrund, teilweise mitten im Stadtgebiet: am- Akxp nderolatz, Unter den Linden und am Nollendorf platz, siad sie in guter Beschaffenheit in Tiefen von 40, 50 und 60 Meter angetroffen worden. Ihrem Abbau. wurde theoretisch keine Schwierigkeit entgegenstehen. Praktisch hat man ihn aber nicht in Erwägung gezogen, weil die, dichte Bcöuissg gerade in der Gegend der bisherigen Bohrungen äberall einen wirtschiFtüdien esglau ausschloß und weil es unter normalen Umsränden billiger war, Kohle- von auswärts zu beziehen. Es bedarf keiner näheren Erläuterung, wie sehr sich clies e Voraussetzung geändert hat. Berlin ist so unzureichend mit Kohle versorgt, daS der größte Teil der Westberliner Haushalte nur noch an wenigen Stunden des Tages Strom erhält, und die Brennstoffversorgum? ist mit einem Viertelzentner Kohle und zwei bis drei Kaste Holz für den ganzen Winter so niedrig geblieben, daß die Lage nur infolge d es ungewöhnlich milden Winters halbwegs erträglich blieb. Daß sich ein solcher Winter wiederholt, ist nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht anzunehmen, und eine Stadtverwaltung müßte zusn Teufel gejagt werden, die sich auf die Wiederholrang einer solchen Wetterlage verlassen wollte. Die tatsächlich nach Berlin gelangende Kohle wird aber durch den Lufttransport, und zwar nicht allein durch die Flugzeugbenutzung, sonderßaidit zuletzt auch durch das Ein- und Ausmachen und durch die Anfuhr zu und von den Flugplätzen der_attig verteuert, daß die Rentabilitäts Verhältnisse oder, wie man im Bergbau sagt der Bauwürdigkaitsmaßstab für einen etwaigenörtlichen Braunkohlentief bau grundlegend, verändert sind.

- Unter diesen Umständen hat sich die Stadtverwaltung verpflichtet gefühlt, der Inangriffnahme des Bergbaues ernsthaft näherzutreten und hat zunächst di e günstigste Gegend, einige unbebaute und wüste Flächen im Bezirk Rei nokkendorf, also im Norden von Berlin, durch Bohrungen untersucht. Die irrt Gange befindlichen Bohrarbeiten haben bisher alle Erwartungen erfüllt. In dem hauptsächlich in Betracht kommenden Gebiet ist der Bräunkohlenhorizont in einer Tiefe von 20 bis 30 Meter angetroffen und KI 40 Meter Tiefe bei einer der Bohrungen nun auch schon ein bauwürdiges Flöz mit einer Mächtigkeit von bisher 3 25 Meter durchbohrt worden. Damit ist die Verwirklichung des Bergtauplans in unmittelbare Nähe gerückt. Gewiß Bedürfen die Wasserverhältnisse noch der Klärung. Bei den geplanten sehr großen Förd er rriehgen für die Kohle würden aber auch erheb Eiche Wasserzttflüsse, das heißt erhebliche Aufwendungen für das Abpumpen des Wassers, durchaus in Kauf genommen werden können. Jetzt kommt es darauf an, mit einfachen Mitteln, also unter Vermeidung kostspieliger und gewichtiger Maschinen, die durch die Luft herangebracht werden müßten, die BraunkohlenJager durch viele kleine Schachtanlagen auf zuschließen und in großzügiger Arbeit und- kürzet Zeit eine möglichst kohe Förderung herauszt holen. Gewiß wären in der gegenwärtigen Lage Berlins auch schon wenige Tonnen KöMe täglich von Wert. Aber bei 900 000 Hassiialcen uwct dem unabsehbaren Brennstoflbedarf der Westberliner Industrie ist eine, tatsächlich wirksam Hilfe erst dann zu erwarten, wenn es, geling?, die tägliche Tcnrtenfofderwng ;in den Bereich d ejf vierstelligen Zahlen z steigern. Genaue Angaben hierzu zu machen, wäre verfrüht. Nur soviel kann gesagt werden, daß die Absicht und vielleicht daß die Aussicht für solche Leistungen be> steht. Die Anlagen müssen in einer so kurzen Frist projektiert und eingerichtet 1 werden, wie sie sonst ein derartiges Unternehmen allein schon für die Herbeischafiurjg, der notwendigen Gusachten vnd Beschlüsse erfordert, das heißt, es wird v cv vornherein manches Risiko und maacfa4 Ungewißheit in Kauf genornrnea werden roüssea, ts