Die Gegner der französischen Regierung haben in diesen Wochen alles getan, um die französischen Sparer von Zeichnungen zur 100-Milliarden-Anleihe abzuhalten. In der Hochflut der gegnerischen Maßnahmen hat eine Propagandaschrift die französische Mentalität besonders eindringlich erfaßt, es war ein gaullistisches Flugblatt, das die Franzosen mit einer kleinen Geschichte von der Zeichnung der Anleihe abschrecken wollte. Sie schilderte das Verhalten zweier Brüder, von denen der eine vor dem ersten Weltkrieg für 100 Francs Staatsanleihe gezeichnet und.somit heute praktisch nichts mehr davon hat, während sein Bruder, damals für 100 Francs fünf Goldstücke kaufte und diese Ende Januar 1949 für 30 000 Francs verkaufen konnte.

Es war nicht besonders auffällig, daß die Sparer zunächst sehr zögerten. Die Zeichnungen kamennur schleppend in Gang, so daß das Ende Januar auf die Notenbank zu-Schtzenund die Zeichnungsfristen bis zum 5prozentigien verlängern mußte. Wenn auch schließlich der erwartete Betrag gezeichnet wurde und dies im Hinblick auf die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Frankreichs ein beachtenswertes Ergebnis darstellt, blieb der eindeutige politische Erfolg doch aus, den man etwa bei der Befreiungsanleihe nach 1870, bei den Wiederaufbauanleihen nach 1918 und bis zu einem gewissen Grade auch bei der de-Gaulle-Anleihe nach der Räumung Frankreichs durch die deutschen Truppen bemerken konnte.

Die Anleihe wird ohne Zweifel mehr als 200 Milliarden erbringen und damit die 100 Milliarden Bargeld. Die Hälfte des Anleihebetrages konnte in alten Staatsanleihen eingezahlt werden. Von einem besonderen Anleiheerfolg könnte man vor allem dann sprechen, wenn die 200 Milliarden vorwiegend von Sparern und nicht überwiegend von Versicherungen, Sparkassen und ähnlichen Kreditinstituten gezeichnet worden wären. Aber diese Feststellung ist bisher klar und eindeutig noch nicht getroffen worden.

Der Erfolg der Anleihe und das Ansteigen des Notenumlaufs infolge der Beanspruchung der Notenbank durch das Schatzamt auf zeitweilig mehr als eine Billion Francs – das reimt sich nicht zusammen, läßt vielmehr Unklarheiten und Ungewißheiten erkennen. Von einem Wendepunkt kann in Frankreich daher auch noch nicht gesprochen werden. Die Lage ist noch zu labil, obwohl sie sich günstiger zeigt als vor einem Jahr, als René Mayer seine neue Politik einleitete oder etwa zur Zeit des Blum-Experimentes vor zwei Jahren.

Die UdSSR verkauft Gold

Die interessanteste Begleitmusik zu der französischen Anleihe stellten die Gold- und Devisennotierungen dar. Als am 21. Januar die Anleihebedingungen bekannt worden, fiel der Preis des 20-Francs-Goldstückes von 6200 auf 5650 ffrs., wie gleichzeitig die französische dreiprozentige Staatsanleihe, die bei der neuen Anleihe zu pari in Zahlung genommen wird, von 64,30 auf 74 ffrs. anstieg. Ende Januar kletterte dann der Kurs des 20-Francs-Stückes wieder auf mehr als 6000, wofür Interventionen der Gaullisten und Kommunisten verantwortlich sein dürften. Mitte Februar setzte schließlich ein neuer Kursrückgang ein, der sich Ende des Monats noch wesentlich verstärkte. Das 20-Francs-Stück bringt nicht einmal mehr 4500 ffrs. und der freie Dollar ist auf unter 400 gesunken, während er noch vor einem Monat mehr als 500 und zeitweilig sogar 540 ffrs. kostete. Dies ist wohl das positivste Ergebnis, das die Regierung Queuille aufzuweisen hat.