Maître Izard, Kravchenkos Anwalt, läßt den Zeugen Zilliacus, der ein wahrer Rastelli des Wortes „Verräter“ ist, ungestört alles aufzählen, was die nichtsowjetischen Länder auf dem Gewissen haben und was in der Tat nicht wenig ist. (Der Kreml hat es gut, regiert er doch erst seit 32 Jahren! Die anderen aber, wie stehen sie vor der Anklagebank der Geschichte! Zum Beispiel die englische Demokratie! Jahrhunderte voll aktiver Verbrechen oder verbrecherischer Passivität und obendrein noch der Erbsünde schuldig, mit der die Leute im Kreml sich nie beschmutzt haben.)

Daß diese nach Herrn Zilliacus so schuldbeladenen Länder aber, weil sie eine öffentliche und keine nur geheime Meinung haben dürfen, immerhin ihre Verbrechen selber aufdecken und zeigen, daß man dort sogar einen Prozeß gegen den Staat gewinnen kann, daß Kritik geduldet, ja staatlich gefördert wird, das scheint dieses Mitglied eines Parlaments, in dem die Opposition noch kein „stinkender Schakal“ ist, für ein Nichts, ein unendliches Nichts zu erachten. Und er eilt jenen Leuten zu Hilfe, die einen der Chefs seiner, Zilliacus, eigenen Partei, erst kürzlich noch mit einer wahren Analphabetenprimitivität als Verräter bezeichnet haben.

Und so fragt Maître Izard, den die Aufzählung all der Schuld des „Westens“ keineswegs geknickt hat, den Herrn Labourabgeordneten, nachdem er ihm ein von den neun kommunistischen Parteien Europas unterzeichnetes Manifest in Erinnerung gerufen hat, in welchem Außenminister Bevin als „Verräter“ gebrandmarkt ist: „Ich möchte Sie fragen – denn so steht es wörtlich in jenem Manifest, – ob Herr Bevin ein ‚Verräter‘ ist, ob Sie diese Erklärung der neun kommunistischen Parteien gutheißen?“

Herr Zilliacus wird zum Aal (fern sei uns der Gedanke, ihn ins Tierreich zurückzuversetzen), er windet sich und erklärt, von jener Siehe sei schon die Rede gewesen, als er zur Gründung der Kominform nach Belgrad gereist sei. Von dieser Gründung sei er nicht begeistert gewesen, aber ein „Linkssozialist“ könne da nur den „anderen“ sagen: Ihr habt es euch selber eingebrockt.“

Nachdem der Saal sich ausgelacht hat, denn Herr Zilliacus hat dies mit einem berühmten Wort Molières gegeben, das jemandem vorenthalten sein soll; „Vous l’avez voulu, Georges Dandin“, wird er sehr besorgt und ernst und beeilt sich zu versichern: „Selbstverständlich bin ich hundertprozentig und leidenschaftlich gegen die Vorstellung, Herrn Bevin als Verräter zu behandeln. In Fragen der Außenpolitik gehe ich nicht immer einig mit ihm, leider, Das ist ein großer Mann des öffentlichen Lebens in England.“

„Und Churchill?“ fragt Izard weiter, „Churchill, den die „Humanité“, das Blatt der KP Frankreichs, den Kriegshetzer Nummer 1 genannt hat?“

Er habe einen großen Respekt und eine tiefe Zuneigung für Churchill, erklärt der Zeuge, fügt aber hinzu, er habe es Herrn Churchill schon „ins Gesicht gesagt, daß er ihn heute für einen Kriegshetzer halte.