Entwicklungsstörungen und Erziehungssorgen vor dem Arzt

Von Paul Hühnerfeld

Daß Kinder in einem bestimmten Alter schwer zu erziehen sind, ist bekannt. Solche Entwicklungskrisen – denn um die handelt es sich dabei – werden von den Eltern oft überschätzt, bisweilen aber auch zu wenig beachtet. Beides rächt sich Um die Eltern – vor allen Dingen die Mütter – in dieser schwierigen Situation zu unterstützen, hat man in Hamburg Erziehungsberatungsstellen eingerichtet, wo ein Nervenarzt und eine Pädagogin (Fürsorgerin oder Krankenschwester) kostenlos zur Verfügung stehen.

Der Warteraum in einer Hamburger Schule, in der ein älterer, schon grauhaariger Arzt mit einer frischen, selbstverständlich herzlichen Fürsorgerin einmal wöchentlich die Sprechstunden einer Erziehungsberatungsstelle abhält, ist angefüllt mit den kleinen „Patienten“ und ihren Müttern (Väter scheinen diesen Gang zu scheuen; denn während einer zweistündigen Nachmittagssprechzeit sah man nur einen; für Vater ist es ja allemal mit den Kindern „noch gar nicht so schlimm“, und nach ihrer Ansicht wird sich schließlich „alles schon von alleine“ wieder einrenken).

Peter schwänzt die Schule

„Herr (Doktor“, sagt eine junge blonde Frau, die das Sprechzimmer betritt, „unser Peter ist ein so unruhiger Geist, ich weiß gar nicht mehr, was ich mit ihm machen soll!“ – „Unser Peter“ ist ein kleiner, blasser zwölfjähriger Junge, der zu den Worten seiner Mutter verlegen lächelt. „Erzählen Sie genauer“, sagt der Arzt. „Was bekümmert Sie am meisten?“

„Peter“, erzählt die Mutter, „ist zu lebhaft und zu wild. Die Lehrerin hat mir einen Brief geschrieben, daß er zu Ostern sitzen bleiben wird, weil er sich überhaupt nicht konzentrieren kann. Manchmal schwänzt er auch die Schale. Aber am meisten bedrückt mich: niemand von den Nachbarskindern auf der Straße kann ihn leiden, er ist noch nicht fünf Minuten zum Spielen fort, schon hat er mit allen Streit. Jetzt spielt schon keiner mehr mit ihm.“