Wolfgang Borcherts Hörspiel „Draußen vor der Tür“, eine echte und erschütternde Dichtung, wurde von Wolf gang Lieben einer zuerst auf die Bühne gebracht und jetzt zu einem Film umgestaltet. Der Regisseur, der selbst das Drehbuch schrieb, wußte sich dabei im Einverständnis mit dem verstorbenen Dichter, der ihm persönlich nahestand. Das Hörspiel ist eine furchtbare Anklage gegen Gott und die Welt, der verzweifelte Aufschrei eines Heimkehren, der alle Türen zugeschlagen findet, ein aufrüttelnder Monolog. Der Film gewinnt die notwendige Spannung und Handlungsfülle aus der Kontra-Punktierung dieses männlichen Schicksals mit einem weiblichen. Das geschieht wie im echten musikalischen Kontrapunkt; wo die zweite Stimme ein selbständiges Eigenleben führt, dabei aber der ersten, verwandt ist. Aus dieser inneren Verwandtschaft ergibt sich am Ende die Zusammengehörigkeit beider. Mann und Frau, der Heimkehrer Beckmann und die allein gebliebene, allein gelassene Anna, sind bereit, miteinander dem Leben entgegenzutreten, durch Liebe die Not zu überwinden. Diese „Liebe von 1947“ ist mehr Güte und Erbarmen als Besitzgier und Sinnenlust. Eben darum ist dieser Schluß überzeugend. Er entschärft den Nihilismus des Borchertschen Originals, aber er hält sich weit entfernt vom ironischen Kitsch des Happy-End:

Es gibt bisher keinen Film, in dem die deutsche Nachkriegswirklichkeit mit der gleichen erbarmungslosen Kompromißlosigkeit beschworen wird. Die Göttinger Filmaufbau hat den Mut gehabt zur radikalen Absage an die Traumfabrik. Zweifellos hat der Film Längen, stellenweise überwuchert der Dialog, während die Kamera monoton von einem Gesicht zum anderen wandert. Die Bildvisionen, besonders in Beckmanns Traum, reichen nicht immer an die dichterische Vision heran. Doch es gibt Stellen, in denen das deutsche Schicksal so packend verdichtet ist, wie in jener Szene, wo Hilde Krahl, dick vermummt und schaudernd vor Kälte, sich in ihr Bett verkriecht und bei einem Kerzenstumpf über den strahlenden Bildern eines amerikanischen Magazins zusammenbricht.

Mag also auch nicht alles gelungen sein: der künstlerische Ernst und die kompromißlose Haltung, die hinter diesem Film stehen, verdienen Hochachtung und erheben ihn weit über dieDurchschnittsproduktion. Neben den ausgezeichneten Leistungen von Karl John und Hilde Krahl sieht man eine große Zahl sorgfältig gewählter und gut eingesetzter Darsteller. Gertrud Runge