Molotows Abgang von der politischen Bühne hat soviel Lärna verursacht, daß die Welt beinahe das Abtreten eines ändern Manne> übersehen hat James Vincent Forrestal ist zurückgetreten. Nur noch drei Wochen wird der erste ten amerikanischen Streitmacht unter, auf und über dem Land und dem Meere in Händen halten, bevor sein, von Truman ernannter und — einer ISonderbotschaft des Präsideaten zufolge — mit besonderen Vollmachten auszustattender Nachfolger, der 58jährige ehemalige Unterstaats sekretär im Kriegsmiaisterium, Louis jobnsoflj die Zügel übernehmen wird. An Bedeutung ist diese Wachablösung im Pentagonhottse in Washington rtur mit dem Wechsel Marshall :—Acheson im Der bisherige Chef der amerikanischen Streitisacht ist ein Zivilist par ecellence. Er liebt es nicht nur, dunkle Sakkos zu tragen, typische Wallstreetanznge, sondern er hat auch in seinem "ralitäristhen" Vokabular Begriffe, wie "Ehre der Flotte", "Flagge" und "Schlachtfeld der Ehre", ersetzt durch die lakonische Devise: efficiency —r. Leistungsfähigkeit. Denn der 59jährige mit dem ergrauten Haar, dem energischen, fast brutalen Kinn und der angeschlagenen Böxernase ist ein eines irischen Einwanderers, eines kleinen Bau Unternehmers, arbeitete er sich als Kellner, Reporter und Student zum Präsidenten einer der sechs, mächtigsten Privatbanken der USA empor. ihnen dies billiger zn stehen gekommen sei, als wenn sie dem versierten Börsenfachmann Provision zu zahlen gehabt hätten. Sein Jahresein kommen betrug, als ihn Harry Hopkins entdeckte, 180000 Dollar; das Doppelte von dem des Präsidenten. Roosevek machte ihn zum Uiiterstaatssekrerär und nach dem Tode von Knox wurde er Marinemänister.

; Forrestal ist : kein Held, aber er weiß mit solchen umzugehen, and entgegen aller militari sehen Tradition t maebt es ifim nichts aus, jederHzeit seine Meinung zu ändern, wenn er es für richtig hak. Drei Jahre laug wehrte er sich gegen den Gedanken einer Zusammenlegung der Luft , See- und Landstreitkräfte. Dann machte er selber einen Vorschlag — und wurde 1947 durch den organisation. Seitdem ist viel geschehen. Wy schlnski hat ihm einen Ehrenplatz in seiner Kriegshetzerliste eingesäumt, Eisenhower wurde mjfseinen Vorschlag an die Spitze der "Jaitil icheii Heer, Marine und Luftwaffe konnten ia vielen Punkten beigelegt werden. Aber: "Es wird zwei Jahre dauern, bevor der Zusammenschloß vollzogen ist und die Maschine richtig läuft", so klärte Forrestal: bei der Übernahme seiner groikn Aufgabe, und bis heute, bis zu seinem Jtüektritt, sind st IST Monate verflossen. , : Die Ursachen für sdne Demission "auf eigenen JRfensch" mag man ia 4er> jüngsten Vergangenheit suchen. Wahrend de Wahlkampagne Trumans unterstützte Forrestal, dem die siegessicheren Republikaner bereits sein V& bleiben auf dem > $iinistersessei zugesichert hatten, den Präsidenten lußerst lau. Forrestal muß gehen", ate damals ein enger Mitarbeiter Trumans, "wl er den Präsidenten in dessen schwerer Stunde nicht anterstützt hat Das ist gewiß. Aber niemand kann sagen, ob dies Ursache oder Folgen seiaer Zweifellos vorhandenen Spannungen mit Truman Irarcn. Und ungleich wichtiger für seinen Rückmtt dürfte außerdem sein Zusammenstoß mit dein Kongreß gewesen Sein. Forrestal trat för eitt pnges, automatisches Bündnissystem des Westens in, so wie es den europäischen Regierungen vorKhwebt. Er ist es als Bankmann gewöhnt, daß ejn fegebener Wechsel auch eingelöst wird. Die Senar loren jedoch wären anderer Meinung. Sie beriefen fe auf die Verfassung und lehnten es ab, die A bereits durch einen Bündnispakt bedingungszum militärischen Eingreifen zu verpflichten, in", wie ihn seine Freunde nennen, zögerte niefit lange. Er ging, und mit ihm ging das letzte Kabinettsmitglied aus der Rooseveltschen Ära, oa dessen bisheriger Leistung die westlichen Chancen in einem eveatoeüen Konflikt innerhalb der ßächsten drei Jahre Weitgehend abhängen werden ;. C> J.