Mancherlei Anzeichen deuten an, daß die Formen der Bodennutzung und der landwirtschaftlichen Erzeugung auf der Welt nicht mehr in Ordnung sind. Große Flächen landwirtschaftlich genutzten Bodens werden durch Wind- und WaSsererosion aus der landwirtschaftlichen Nutzung ausgeschlossen. Die Anfälligkeit der Menschen, Tiere und Pflanzen gegen Krankheiten und gegen Schmarotzer nimmt dauernd zu. Und so ist es nicht weiter erstaunlich, daß Schriften wie Faulkners „Plowmans Folly“ und „Des Pflügers Torheit“, Bromfields „Malabar Farm“ sowie der neue Bestseller auf diesem Gebiete, William Vogts „Road to Survival“ – „Der einzige Ausweg zur Errettung der Menschheit“ – hohe Auflagen erreichen..

Aber diese Vorgänge haben schon früher Männer der Wissenschaft auf den Plan gerufen. Sir Albert Howard, der große Land Wirtschaftswissenschaftler, hat bereits 1918 auf der indischen Versuchsstation Pusa die klare Erkenntnis gewonnen, daß zwischen Bodenfruchtbarkeit und Anfälligkeit gegen Krankheiten und Schmarotzer enge Beziehungen bestehen. Er bemühte sich, den Kreislauf der Natur zu beobachten, also die Forschung nicht nur mit den Augen des Pflanzenzüchters, des Düngefachmanns, des Pflanzenarztes oder eines anderen Spezialisten zu sehen. Er verfolgte die Wurzelbildung der Pflanzen und zog daraus seine Schlüsse, er beobachtete die Krankheits- und Schmarotzeranfälligkeit und lernte, sie durch Stärkung der Konstitution zu bekämpfen. Er stellte fest, daß die symbiotische Zusammenarbeit zwischen den Kleinlebewesen und den Pflanzen – besonders zwischen den Wurzelhaaren und dem Mycorrhiza-Pilz – entscheidend für die gute Konstitution der Pflanzen ist. Dabei spielen die Abgänge des tierischen Körpers einegroße Rolle. Da der Harn die natürliche Dränage sämtlicher Zellen des tierischen Körpers ist, enthält er alle Abbaustoffe der Zellen und Drüsen und nach ihrer Verarbeitung durch die Kleinlebewesen damit auch die Aufbaustoffe. So hat Howard aus diesen Forschungen und Beobachtungen ein Kompostierungsverfahren erarbeitet, das er nach dem zentralindischen Staate Indore benannte, da ihm dieser Staat die Möglichkeit gab, seine Forschungsarbeiten ungestört durchzuführen. Das „Indore“-Verfahren ist in der tropischen Landwirtschaft bereits allgemein bekannt und anerkannt.

Dieses Kompostierungsverfahren ist mehr als nur ein Rezept zur Humuspflege Es ist der Ausdruck einer neuen Anschauungsweise der pflanzlichen, der tierischen und der menschlichen Ernährung. Es ist der Ausdruck einer neuen Anschauungsweise der Landwirtschaft ganz allgemein und ist nicht zuletzt der Ausdruck einer neuen Anschauung der wissenschaftlichen Forschung. Darum ist das Werk „Mein landwirtschaftliches Testament“ von Howard mehr als das landwirtschaftliche Testament eines Forschers, es ist das Testament eines Mannes, der sein Leben der Aufgabe widmete, Menschen satt zu machen und gesund zu erhalten. Es ist das Testament eines Mannes an die Menschen, das Leben reicher und besser zu gestalten. Und so steht Sir Albert Howard in erfreulichem Gegensatz zu vielen pessimistischen Autoren unserer Zeit. Er ergeht sich nicht in Pessimismen, sondern er zeigt Wege, wie wir aus der Krise herauskommen und neben der Verbesserung der Ernährung der Menschen auch noch Nahrung für die kommenden Geschlechter schaffen können. Das alles wird in einfacher und schlichter Art mit innerer Spannung dargestellt und ist völlig frei von dem oftmals trocknen Ton der Wissenschaftler. So ist das Buch eine wertvolle Fundgrube nicht nur für den Landwirt. (Siebeneicher-Verlag, Berlin und Frankfurt/Main, geb. 15 DM.)