Selten sieht aus einen Film, der wie „Die besten Jahre unseres Lebens“ (im Capitol Hamburg) so viele Fehler hat und in seinem Gesamtbild dennoch so gut ist. Denn dieser amerikanische Heimkehrerfilm zeigt Mut, Sachlichkeit, Taktgefühl und eine menschliche Haltung, wie man sie nach dem Kriege im Film kaum sah. Mit unmißverständlicher Offenheit verkündet er das Ende des Krieges und der Größe seiner Helden: Der mehrfach ausgezeichnete amerikanische Fliegeroffizier (Dana Andrews spielte ihn männlich kraftvoll und zurückhaltend bescheiden) muß sich wieder in das Zivilleben zurückfinden; er war vor dem Kriege Limonadenverkäufer und wird es wieder (man denke dagegen wie sich unsere Fliegeroffiziere verhalten bitten, hätte man ihnen nach einem gewonnenen Krieg zugemutet Limonade zu verkaufen). – Ein Schwerkriegsbeschädigter Seemann (Harold Rüssel) – beide Hände sind ihm verbrannt –, hat sich nach seiner Rückkehr verzweifelt gegen das Mitleid zu wehren; sein einziger Wunsch ist nur wie ein normaler Mensch behandelt zu werden. Der dritte Heimkehrer (Frederik March) hat es äußerlich gesehen am leichtesten: er bekleidete vor „den besten Jahren „eines Lebens“, die ihm der Krieg genommen hat, eine hohe Stellung in der Bank und kann sie jetzt wieder einnehmen. Aber ihm fällt es schwer, sich wieder an die geliebte Familie und die inzwischen erwachsenen Kinder zu gewöhnen. Es ist oberflächlich, diesen amerikanischen Film (Regie William Wyler) vorzuwerfen, seine Heimkehrer hätten es leicht gehabt, da sie ein. unzerstörtes Land vorfanden. Die Probleme eines Mannes, der aus dem Krieg in ein friedliches Leben zurückkehrt, sind in allen Teilen dir Welt – ob mit oder ohne Trümmer – im tiefsten und letzten dieselben. Vorwerfen kann man dem Film allerdings einen gewissen amerikanischen Hurra-Patriotismus (in der Szene am Limonadenausschank). Vorwerfen kann man ihm die bisweilen allzulang ausgespielten Szenen und schließlich, wenn man streng sein will, auch das sentimentale Happy-End. Aber das alles hindert nicht, daß den Amerikanern hier ein starker Film gelungen ist. –

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Mit Filmen wie „Carmen“ dürfte die französische Filmproduktion einen großen Teil des Respekts, den das deutsche Publikum vor der künstlerischen Höhe ihrer Filme empfand, leichtfertig aufs Spiel setzen. Denn trotz der Schönheit der VivianRomance als Carmen, trotz der schauspielerischen Leistung Jean Marais’ (Don José) und der phantastischen Landschaftsaufnahmen (Kamera U. Arata) ist dieser nach der Oper von George Bizet gedrehte Film, in dem die Musik freilich ganz zurücktritt, noch nicht einmal gekonnter Kitsch. Er ist an manchen Stellen in der Vorstellung der Ereignisse, langweilig. Auch die Spannung eines spanischen Stierkampfes spürt man besser im vorletzten Kapitel von Hemmingway’s „Fiesta“ als in diesem Film, der ihn in aller Breite bildlich und akustisch schilderte. Regie führte Christian Jaques. (Erstaufführung im Waterloo-Theater Hamburg.)

P. Hühnerfeld