Während man in den Westzonen mit der Wiederaufnahme der Produktion von Kraftfahrzeugen sofort nach Beendigung der Kampfhandlungen nicht gezögert hat, liegen bis heute aus den Autofabriken der Sowjetzone keine nennenswerten Produktionszahlen vor – mit Ausnahme von BMW-Eisenach, wo die 2-Liter-BMW hergestellt und bevorzugt an die sowjetische Besatzungsmacht ausgeliefert wird; Mit den Bayrischen Motorenwerken in München hat das Eisenacher Werk nichts mehr zu tun. Als Sowjet-AG. (unter der Bezeichnung AWTOWELO) ist es sogar von der großen Demontageaktion verschont geblieben, die nahezu alle übrigen Autofabriken gründlich erfaßte.

Das gilt vor allem für die Werke der Auto-Union, deren Maschinenbestand durch Demontagen auf etwa 10 v. H. reduziert würde. Die Werke sind „volkseigene“ Betriebe geworden. Nach der Planung der „Vereinigung volkseigener Fahrzeugwerke“ ist vorgesehen: als einziges Motorrad der Ostzone die kleine DKW mit 125-ccm-Motor. Als einziger Personenkraftwagen der DKW-Meisterklasse F 8, der in etwa; zwei Jahren durch den Typ F 9 mit dem Dreizylindermotor. abgelöst werden soll. Herstellerwerk: Audi, Zwickau. Kaum umfangreicher ist das Programm für den Lastkraftwagenbau: der 1,5-Tonner von Phänomen, ein 3-Tonner bei Horch und ein 6-Tonner im gleichen Werk, der aber erst in Vorbereitung ist. An Schleppern plant man einen 22-PS bei der Normag in Nordhausen und einen 40-PS-Schlepper bei Famo und wiederum Horch. Es liegen leider keine eindeutigen Unterlagen dafür vor, wieviel DKW-Mororräder und DKW-Personenkraftwagen bisher gebaut und geliefert wurden. Auch die Produktionszahlen des 1 1/2-Tonner von Phänomen in Zittau sind unbekannt. Von dem 3-Tonner Horch sollen im November v. J. etwa 100 Stück gebaut worden sein, wobei man noch vorhandene Lagerbestände an Horch-V-8-Motoren verwendete.

Bei der Normag und bei der Famo sind es bewährte und bekannte Fahrzeuge, deren Produktion wieder aufgenommen werden soll. Bei Famo bestehen jedoch Schwierigkeiten. Die bekannten Anhängerfabriken Lindner, Wismar, und die Firma Knorr-Bremse sind ebenfalls Sowjet-Aktiengesellschaften geworden und unter der Bezeichnung „Transportmittel AG.“ zusammengefaßt. Für die Kraftfahrzeugproduktion kommen sie zur Zeit nichts in Betracht, da sie vorwiegend für den Waggonbau für die Sowjetunion eingesetzt sind.

Da ein wesentlicher Teil der Kraftfahrzeugzubehörindustrie in den Westzonen liegt, dürften Blockade und Gegenblockade die Ingangsetzung der ostdeutschen Automobilindustrie noch weiter verschoben haben. Dazu kommt, daß auch die deutsche Reifenindustrie vorwiegend in den Westzonen beheimatet ist, mit Ausnahme der Firma DEKA in Ketschendorf bei Fürstenwalde. Auch die DEKA-Werke sind „landeseigen“. Im November 1948 betrug die Tagesleistung 300 Reifen, wovon 220 Reifen für die Besatzungsmacht und 80 für den zivilen Bedarf geliefert wurden, eine Menge also, die nicht einmal für den Ersatzbedarf reicht, geschweige denn für eine größere Neuproduktion.

Nicht zuletzt dürfte die ostdeutsche Automobilindustrie auch unter einem empfindlichen Mangel an führenden Fachkräften leiden. Viele bekannte Konstrukteure und Ingenieure, vor allem von der früheren Auto-Union, sind längst abgewandert und sind in die im Westen bestehenden Automobilfabriken eingetreten. C. O. W.