„Die Bevölkerung, hatte Verluste“ heißt Alfred Dormanns sehr kühner Versuch, die Biographie einer Generation zu geben, die noch lebt und der er selbst angehört. Das Buch, daß im Hoffmann und Campe Verlag (Hamburg) erschien, beginnt mit der Schilderung jenes schwülen Augusttages des Jahres 1918, da den Alliierten an der Westfront der große Panzerdurchbruch gelingt; es endet mit der Katastrophe von 1945. Dazwischen liegen die Jahre des verzweifelten Ringens um eine friedliche Welt – und das Entstehen der nationalsozialistischen Bewegung, die den Frieden schon allein deshalb nicht akzeptieren wollte, weil in ihm die Hohlheit und geistige Leere der faschistischen Idee nach erschreckend kurzer Zeit zutage getreten wäre. – An dem Buche Dormanns ist die Fachkenntnis, die bis in die letzten geschilderten Begebenheiten geht, ebenso bemerkenswert wie die Klarheit der Übersicht, mit der er auch die jüngsten historischen Ereignisse schon einzuordnen weiß. – Wer das Buch liest, ist überzeugt. Überzeugt davon, daß es etwas gibt – man mag es Gerechtigkeit nennen, Ordnung oder Gott –, das sich mit unheimlich wirkender Folgerichtigkeit für jeden frevelhaften menschlichen Übermut rächt. Er ist überzeugt davon, daß es an jedem einzelnen von uns selbst liegt, ob wir Menschen mit den Ambitionen zu solchen „Weltverrückungen“ als Vorbilder und Führet oder als bemitleidenswerte Pathologen behandeln.

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„Erzählungen für Liebende“ nennt Hans Wilhelm Smolik seinen im Federmann Verlag, München, erschienenen Novellenband „Drei Wege“. Das hätte er nicht tun sollen, weil selbst Liebende, wenn man sie so ärgert, tätlich werden könnten. Denn diese Geschichten sind peinlich, schwülstig und sentimental. Ihre Helden und Heldinnen heißen grundsätzlich nur Mink, Heiko, Frank oder Doris, die Männer haben „Sterne und Wälder, Wolken und Wind“ zu Gefährten, ehe ein Mädchen kommt, von dem man nicht recht weiß, ob sie auch noch etwas anderes als Sonne im Herzen hat. Mit der Sprache nimmt es Smolik nicht so genau: Kirchen werfen sich, Stege springen und Tische quellen in diesen Erzählungen an mehreren Stellen. Diese Stilblüten werden so zahlreich, daß man schließlich nicht einmal mehr über sie lachen kann.

P. Hühnerfeld