Rund sechshundertmal am Tage – hat er Pech, ist es mehr – setzt Mr. Barry in der JEIA Frankfurt seinen Namen auf eine der drei Ausfertigungen einer Ausfuhrgenehmigung. Jeder Export nach der UdSSR, nach Osteuropa, nach dem Fernen und Nahen Osten, nach Südamerika und Spanien bedarf seit dem 8. Februar seiner Unterschrift. Ein Prozent der Anträge, sagt er, sei bisher abgelehnt worden. Nicht gezählt sind die Fälle, die nicht eingereicht werden, weil das Geschäft nicht schriftlich abgeschlossen wurde, oder in denen der südamerikanische Kunde, ohnehin im Kampfe mit seinen Einfuhrbehörden, die Hoffnung, mit Deutschland wieder ins Geschäft zu kommen, endgültig begräbt. Die neuen Vorschriften bilden einen Rückschritt, nicht nur gegenüber dem Verfahren, das seit dem 1. Dezember in Kraft war, sondern sogar gegenüber den alten Methoden, die für die wichtigsten Exportfirmen Rahmengenehmigungen vorsahen.

Die USA verschärfen den kalten Krieg gegen die Sowjetunion. In der „New York Herald Tribune“ berichtete William Lowe, die Vereinigten Staaten hätten den Marshall-Plan-Regierungen geheime Listen von Waren überreicht, die nicht nach Osteuropa: geliefert werden sollen: außer Waffen und Munition auch Maschinen und Geräte für Erdölgewinnung und Schlüsselindustrien. Nun, es wird sich keiner daran halten. In London steht man kurz vor Handelsverhandlungen mit der Sowjetunion. In Deutschland aber, das wie kein anderes Land auf den Handel mit dem Osten angewiesen ist, glaubt man das Prinzip konsequent durchführen zu können. Administrator Hoffman, der sich seit einiger Zeit mit europäischen Angelegenheiten beschäftigt, ist anderer Auffassung: er stellte dieser Tage ausdrücklich fest, nur wenn man ihren Handel mit den osteuropäischen Staaten steigere, werde man die Handelsbilanz der Westzonen ausgleichen können.

Wie läßt es sich aber erklären, daß man das Exportverbot auf den Nahen Osten, auf Südamerika und Spanien ausdehnte? Man sollte diese Maßnahme schnell berichtigen, um der Meinung entgegenzutreten, diese Vorschriften stünden mit der Londoner Kampagne gegen den deutschen Export in Verbindung. Es gibt übrigens auch amerikanische Exporteure, die eine europäische Konkurrenz auf dem lateinamerikanischen Markt nicht gern sehen...

Vor allem bedauert der deutsche Exporteur, daß er durch das neue Verfahren wieder gezwungen wird, den Namen seines ausländischen Kunden preiszugeben. Es verlautet, daß man bei der JEIA mit dem Gedanken umgehe, dieses Prinzip wieder auf den ganzen deutschen Export auszudehnen.

General Clay erklärte dieser Tage, für die amerikanische Militärregierung sei die Periode der Strafmaßnahmen und der negativen Einstellung zu Deutschland nunmehr abgeschlossen. Diese Äußerung verbindet die Bestätigung früherer Befürchtungen mit Hoffnungen für die Zukunft. Der Militärregierung bietet sich eine glückliche Gelegenheit, das deutsche Vertrauen zu festigen und das Ansehen ihrer deutschen Berater zu starken: indem sie die im Februar getroffenen Maßnahmen, den deutschen Vorschlägen entsprechend, wieder aufhebt. Wird sie diese Gelegenheit ergreifen? On-.