Kairo, im März

Man wußte schon seit Wochen, daß der deutsche Meister von dem ägyptischen Komitee zu dem internationalen Tennisturnier in Kairo eingeladen worden war; man wußte aber auch, daß seiner Teilnahme an dem Turnier gewisse Schwierigkeiten entgegenstanden. Am Ende kam er dann doch aus London angeflogen und wohnt nun in dem großen Hotel „Continental“ am Opernplatz.

Es war allgemein erwartet worden, er werde an den single-Kämpfen teilnehmen; aber er meinte, er habe kein genügendes Training hinter sich; und so begnügt er sich, sehr zum Leidwesen der Ägypter, mit der Teilnahme am Double.

Am Sonntagnachmittag spielte von Gramm dann zum ersten Male seit zehn Jahren wieder auf dem centre-court des Gezireh-Clubs, von dem man überall sagt, er sei einer der schönsten der Erde, unter einem wolkenlosen, blauen Himmel und an einem heißen Frühlingstage. Ungefähr 4000 Menschen waren gekommen, die dem eleganten Baron eine Ovation darbrachten. Er bewies, daß er von seiner alten Meisterschaft im Double kaum etwas verloren hat. Der blonde, geschmeidige Spieler hat sich wenig verändert, seit man ihn zum letzten Male in Kairo sah. Sein Spiel scheint zwar weniger folgerichtig zu sein als früher. Aber nichtsdestoweniger ist er immer noch hervorragend und kann an einem guten Tage die Besten der Welt durcheinander bringen. Sein anmutiger Stil, sein Service – so vernichtend wie je –, seine wundervollen crosscourt shots und seine forehand kills sind noch immer da. Wenn er einmal „drin“ ist, muß man noch immer sehr stark mit ihm rechnen. Daß er das Spiel, in dem der Australier Harper sein Partner war, gegen die Amerikaner Parker und Patty verlor, will nicht viel besagen; es dauerte zu lange, bis sein Partner sich in das Spiel mit ihm fand. Die Partie endete, nachdem von Gramm, im dritten Satz in Führung liegend, sein Service verloren hatte, zugunsten der Amerikaner mit 5:7, 6:3, 6:4.

Der deutsche Baron ist in Ägypten genau so volkstümlich wie er es vor zehn Jahren war, obwohl – oder vielleicht gerade, – weil er ... Deutscher ist. Am Ende der Partie gab es einen geradezu unglaubwürdigen Beifall. Ich habe schon mancherlei gesehen, aber zum erstenmal einen Tennisspieler, der über eine Viertelstunde lang Autogramme zu geben hatte.

Was die Fachleute sagen? –: Daß er noch immer ein großer Spieler ist, und daß seine gutplazierten Bälle noch oft seinen Gegner in Erstaunen setzen; daß sein Mangel an Training wohl sichtbar ist, aber daß er nach einigen Monaten vielleicht wieder das As von ehemals werden kann.

„Wenn er nur weniger manieriert wäre und etwas weniger für die ‚Galerie‘ spielen würde!“ sagten mir nachher einige wohlmeinende ägyptische Freunde. Aber das sei nur nebenbei bemerkt.

H. L. Kaster