Ist ein Ladenpreis von 1,50 DM für ein Pfund Äpfel angemessen? Der Verbraucher wird das bestreiten – und die Äpfel vielleicht doch kaufen. Indessen läßt sich die Frage nicht aus dem Handgelenk beantworten. Die letzte Kernobsternte war schlecht. An Äpfeln wurden in der Doppelzone nur rund 430 000 t oder 37 v. H. weniger als 1947, an Birnen gar nur 112 000 t oder 54 v. H. weniger geerntet. Wenn das Obst trotzdem als eines der ersten Agrarerzeugnisse aus der Zwangsbewirtschaftung entlassen wurde, so wohl nicht zuletzt deshalb, weil es erfahrungsgemäß besonders schwer zu erfassen ist.

Aber die Obstpreise sind ein typisches Beispiel dafür, wie problematisch die Verkopplung der Begriffe „Marktwirtschaft“ und „sozial“ im konkreten Fall sein kann. Das scheint man auch in Frankfurt mit einigem Unbehagen zu empfinden. Kürzlich sprach der Sachbearbeiter der Verwaltung für Wirtschaft, Oberregierungsrat Louis, vor den niederelbischen Obstbauern, also vor den Erzeugern aus dem größten geschlossenen Anbaugebiet Deutschlands, das sich nordwestlich von Hamburg am hannoverschen Ufer der Unterelbe erstreckt. Er betonte, daß Obst zu den Gütern des lebenswichtigen Bedarfs gehört, daß also unangemessene Preise durch das Preistreibereigesetz verboten seien. Der Handel ist demnach; an die Bestimmungen dieses Gesetzes gebunden. Soweit wäre alles in Ordnung, Aber welche, Preise darf er dem Erzeugerzahlen? In dieser Frage will sich Frankfurt anscheinend nicht festlegen, und so behilft man sich mit einer Notbrücke: Auch der Begriff des Knappheitspreises solle zur Geltung kommen, aber er soll nur dann angemessen sein, wenn er für Ware entsprechender Qualität gezahlt wird. An welchem Punkt diese Gleichung mit zwei Unbekannten aufgeht, das herauszufinden soll den Erzeugerorganisationen (unter Oberaufsicht Frankfurts) überlassen bleiben ...

Selbstverständlich darf man nicht verkennen, daß es sehr schwierig ist, die Interessen der Erzeuger und Verbraucher auf einen Nenner zu bringen. Die VfW ist offenbar darauf bedacht, zur Steigerung der Qualität des deutschen Obstes anzureizen, ein Bestreben, das auch unter den Erzeugern selbst immer mehr Fuß faßt. Man ist sich bewußt, daß die künftige Entwicklung auf dem Obstmarkt Überraschungen bringen kann, wie man sie seit langen Jahren nicht mehr kannte. Vor allem vom Auslande her. Es hat seinen Anbau erheblich gesteigert. u.