Man muß den Mut und die Geschicklichkeit des französischen Films bewundern, der sich den Roman Dostojewskijs „Der Idiot“ zum Thema wählte. Aber Mut und Geschicklichkeit genügen nicht für die abgründige Tiefe des russischen Dichters. Sein „Idiot“ – der Prinz Myschkin – ist ein heiliger Tor inmitten einer korrupten Gesellschaft. Und diese Grundkonzeption wollten der Regisseur des Films (Georges Lampin) und der Darsteller des Fürsten (Gérard Philippe) aufrechterhalten; dennoch wird der „Idiot“ auf der Leinwand nur in einzelnen Szenen (während der Verlobung der Aglaja, bei dem Mordanschlag Rogoschins und in der Schlußszene am Totenbett Nastasias) dem Dichter Dostojewskij gerecht. Die Regie hat die Gestalt des „Idioten“ mit ironischen Zügen und manchmal gar mit einem Schuß weltmännischer Überlegenheit ausgestattet: das sah man deutlich in der Szene, in der der abgedankte General den „Idioten“ um Geld bittet, Myschkin die Ausrede des alten Mannes durchschaut, aber mit der Geste des Weltmannes darüber hinweggeht. Vielleicht mußten die Schöpfer des Films, der jetzt im Esplanade-Theater Hamburg zu sehen ist. so vorgehen, weil sie die Gefahr vermeiden wollten, daß die echte Figur des großen Naiven dem breiten Publikum lächerlich erscheinen könne. Wäre es da nicht besser gewesen, sich vor der Größe des Stoffes zu bescheiden und ihn unverfilmt zu lassen? P. H.