Die vielfachen Meldungen und sich anschließenden Dementis, die sich in den letzten Tagen mit der Wiederaufbaubank befaßten, spiegeln eine recht nervöse Stimmung wider und – lassen kaum auf gute Beziehungen der Wiederaufbaubank zu den Besatzungsmächten schließen. Auf deutscher Seite fühlt man sich durch die jede Bewegungsfreiheit einengenden Instanzen und Anordnungen gehemmt. Man verweist auf eine pyramidenartige Skizze, die die Fülle der bei jedem Schritt zu befragenden. Kontrollbehörden und sonstigen Stellen verzeichnet. Auf der anderen Seite spürt man das Bedauern der Besatzungsbehörden. Sie finden, daß die Wiederaufbaubank nicht vorankomme. Seit langem erwarten sie schon ein umfassendes Investitionsprogramm für dieses Jahr. An Programmen dieser Art besteht in Frankfurt wahrlich kein Mangel. Sie werden am laufenden Band geliefert. Fast alle diese Programme haben aber gemeinsam, daß sie die Frage der Finanzierung bestenfalls mit leichter Hand abtun. Aber gerade diese Frage wird schließlich bei der Wiederaufbaubank und auch bei der Bank Deutscher Länder als entscheidend und fast nicht lösbar angesehen.

Die einzige und wichtige Quelle für eine Finanzierung großer Projekte wären die Gegenwertfonds für Marshall-Plan- und A-Einfuhren. Leider sind aber die Amerikaner in der Freigabe dieser Erträge für Deutschland nicht sehr großzügig, Westdeutschland hat noch nichts bekommen, während Frankreich im Vorjahr 140 Mrd. Francs erhielt und für dieses Jahr 280 Mrd Francs erwarten kann. Auf dem Konto der Bank Deutscher Länder soll nur ein geringfügiger Betrag verfügbar sein, aber es ist anzunehmen, daß künftig größere Summen anfallen. Die Amerikaner halten eine weitgehende Finanzierung mit deutschen Mitteln für notwendig. Sie sehen, ebenso wie die Engländer, hierin einen entscheidenden Beitrag.

Bei dieser Sachlage war eine Reutermeldung, daß nach einem den Militärgouverneuren vorliegenden Plan eine Milliarde aus diesen Gegenwertfonds von der Bank Deutscher Länder der Wiederaufbaubank in den nächsten drei Monaten zur Verfügung gestellt werden solle, eine Sensation. Deutsche Sachverständige rechnen nämlich nicht einmal damit, daß aus dem Gegenwertfonds eine Milliarde im Laufe eines Jahres anfallen werde. Noch, sensationeller wirkte die weitere Mitteilung, daß es sich um ein 5-Milliarden-Investitionsprogramm für dieses Jahr handelt und dieses zu 3,2 Mrd. aus deutschem Sparkapital und zu 0.5 Mrd. aus Länderzuschüssen für ein Wohnungsbau-Programm finanziert werden soll.

Die Wiederaufbaubank kann gegenüber solchen großzügigen Plänen als bescheidenes Projekt bisher ein 220-Mill.-DM-Programm für 20 Objekte der Elektrizitätswirtschaft vorzeigen, muß aber Hinzufügen, daß die Beratungen über die Finanzierung noch nicht weit, gediehen seien. Die Finanzierung soll vor allem durch Anleihen der Elektrizitätsgesellschaften erfolgen. Nur wenn diese den Betrag nicht aufbringen, will die Wiederaufbaubank einspringen, wobei sie wohl auf die Gegenwertfonds zurückgreifen kann. Eventuell wird die Wiederaufbaubank auch eigene Obligationen ausgeben. W. G.