Keine deutsche Metropole hat durch den Krieg so sehr gelitten wie Köln. Natürlich liegt die Aufgabe, Köln aufzubauen, vornehmlich bei den Kölnern selbst. Sie können indessen gewiß sein, daß ihr Werk nicht nur als ein lokales Anliegen, sondern als eine deutsche Sache begriffen wird. Trifft es dabei zu, daß vor einer so großen Arbeit die Besinnung, die Ermutigung stehen muß, so geht man nicht fehl, wenn man das Buch „Köln“, für dessen Herausgabe im Verlag J. P. Bachem (Köln) die Stadtverwaltung selbst zeichnet, die wichtigste Veröffentlichung über dieses Thema nennt. Das umfangreiche Buch, das in erfreulich guter Ausstattung vorliegt, enthält instruktive Aufsätze hervorragender Gelehrter und Verwaltungsmänner, die nicht nur mit Sachkenntnis, sondern mit Begeisterung zu schildern wissen, welches die geographischen, geschichtlichen, kulturellen Grundlagen sind, auf denen Köln zu einer der bedeutendsten Städte Europas erwuchs. Auf diese Fundamente, die in der Tiefe bis zum Ursprung westeuropäischer und deutscher Kultur hinabreichen, wird das Köln der Zukunft aufgebaut sein müssen. Prof. Dr. B. Kuske ist die ausgezeichnete Redaktion des Buches zu verdanken, das nicht nur den Reichtum traditioneller Werte der Stadtgeschichte widerspiegelt, sondern ebenso auch den Geist der Kölner, der sich nie entmutigen läßt.

J. M.

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„Das Glück auf der Kugel“ heißt ein Roman, den Hans Harder Ratjen im Karl H. Hensel Verlag, Berlin, erscheinen läßt. Das umfangreiche Buch ist ein zum mindesten origineller Versuch, den Menschen über die Problematik unserer Tage hinaus auf einen Weitsicht bietenden Standpunkt zu heben. Ein junger Deutscher, krank am Wissen um die Entwurzelung des heutigen Lebens aus dem Boden ideeller Wertsetzung, krank am Wissen um die Kluft zwischen Sein und Tun, erlebt in einer Traumvision die ersehnte Aufhebung von Zeit und Raum. Wie in eine frühere Inkarnation sieht er sich in die Zeit, des spätantiken Syrakus versetzt, um dort dieselben Fragen und Wirrnisse zu finden, die die Gegenwart bot, aber auch die Möglichkeit einer neuen Ordnung und Befriedung. Dies Erlebnis bringt ihm Genesung. Zu welchem Fortgang, welchem Endziel, bleibt offen. Daß im Grunde nichts wirklich geklärt, gar entschieden ist, verbirgt der Autor hinter einer merkwürdigen Art, dem eigentlichen Ernst mit sprunghaften Gedankenspielen auszuweichen. Oder sollte das lächelnde Kind am Schluß wieder einmal genügen, Zukunft zu garantieren?

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Prospero und Faust – zwei grundverschiedene Repräsentanten alten Zauberwesens – betrachtet G. F. Hartlaub in einem zur Broschüre erweiterten Vortrag, den er im Untertitel einen Beitrag zum Problem der schwarzen und weißen Magie nennt (Karl Schwakenberg Verlag, Dortmund). Eine außerordentlich fesselnde Untersuchung, die den Magier des shakespeareschen „Sturm“ als den edlen Menschen zeigt, der in der Erkenntnis, daß alles Leben Traum und Schein ist, der Zaubergabe entsagt, um sich ganz aus dem Leben und Wirken zurückzuziehen; den Faust, den Magier Goethes, kennzeichnet Hartlaub als ewig Irrenden und Scheiternden, der sich – im Grunde zu spät – vom unguten Gebrauch der dunklen Kräfte abwendet, um erst recht die Welt zu bejahen und alles auf die Tat zu setzen. – Eine Studie, die man mit Gewinn aus der Hand legt. A–th

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Das Satiricon des Petronius in der Reihe der doppelsprachigen Tusculum-Ausgaben des Ernst Heimeran Verlages München ist wieder neu aufgelegt worden. Dieses Buch ist in einer neuen vervollständigten Ausgabe erschienen, zu einer Zeit, in der man mit leichtfertigen Schulreformen die Grundlage der abendländischen Bildung, das humanistische Gymnasium, kindlicheifrig abzuschaffen bemüht ist. Daß der Arbiter elegantiarum der Neronischen Zeit mit seinen sehr offenherzigen Satiren wieder zu Worte kommt, werden; viele amüsant finden; wichtiger ist die Tatsache, daß der ausgezeichnete Verlag offenbar an seiner selbstgesetzten Aufgabe festhält, das Studium und die eifrige Nachfolge der Antike zu pflegen. Das ist in unserem so besiegten und zerstörten Lande ein schönes Zeichen der Besinnung auf eine ruhmreiche Tradition. R.