Besonders in der heutigen Zeit wird es nicht zu materiell anmuten, wenn man das Gaststätten- und Hotelgewerbe als Devisenbringer herausstellt. und unter diesem Aspekt die Notwendigkeit des Wiederaufbaues dieses kapital- und arbeitsintensiven Wirtschaftszweiges betont. Wenn die „Devisen-Hotels“ allein in Hessen mehr Devisen aufgebracht haben als die Offenbacher Lederindustrie, so besagt diese Tatsache mehr als viele Worte. Es wird nicht jedem geläufig sein, daß im Jahre 1924 der Reiseverkehr von Ausländern Deutschland Devisen von etwa 100 Mill. RM und im Jahre 1935 ungefähr das Dreifache brachte. Was für Deutschland ein Besuch von Ausländern politisch und psychologisch bedeuten kann, ist erheblich.

Allerdings stellen die Ausländer hohe Ansprüche. Ihnen kann das durch den Krieg und seine Folgen stark mitgenommene Gaststätten- und Hotelgewerbe nur mit größten Anstrengungen gerecht werden. Standen im Jahre 1938 etwa 485 000 Betten für Übernachtungen zur Verfügung, so sind es heute nur 125 000. Ein Teil der Hotels und Gaststätten wurde verrichtet, andere sind mit Flüchtlingen belegt oder von den Besatzungstruppen beschlagnahmt. Wenn in der kommenden Saison mit dem Besuch von etwa 300 000 Ausländern zu rechnen ist, dann ergibt sich aus politischen und wirtschaftlichen Gründen, daß die Forderung des Hotelgewerbes, wenigstens einen Teil der beschlagnahmten Betriebe ihrem ursprünglichen Zweck zurückzugeben, berechtigt ist. Die Durchführung stößt naturgemäß bei den beengten Wohnungsverhältnissen auf große Schwierigkeiten. Hotels und Gaststätten beschäftigten im Reich vor dem Kriege etwa 800 000 Menschen, besonders weibliche Arbeitskräfte. Sie standen damit an zehnten Stelle von 23 Wirtschaftsgruppen und rangierten vor dem Bergbau, der chemischen und der elektrotechnischen Industrie,

Das Gaststätten- und Hotelgewerbe ist in de Nachkriegszeit mit Erfolg bemüht gewesen, wenigstens einen Teil seiner früheren Bedeutung zurückzugewinnen. Daß es sich aber schon jetzt zu einer repräsentativen Fachschau in Düsseldorf (25. März bis 3. April), der ersten seit 11 Jahren, entschlossen hat, zeigt seinen Lebenswillen und seinen Optimismus. Die größte Ausstellung, die außerhalb Berlins bis jetzt in Deutschland gezeigt wurde, konnte dieses hervorragende Niveau gewinnen, weil das sehr aktive Gewerbe die verständnisvolle und tatkräftige Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadt Düsseldorf und besonders der zahlreichen ausstellenden Firmen gefunden hat. So ist auf dem Düsseldorfer Ausstellungsgelände eine Ausstellung entstanden, die, überragt von dem 32 m hohen Turm am Mannesmann-Röhren, in organisatorischer Vollkommenheit alles zeigt, was das Hotel- und Gaststättengewerbe zu bieten vermag und was dazu vom Handwerk, der Industrie, der Kunst, der Landwirtschaft, der Nahrungsmittel-Industrie und dem Handel zur Verfügung gestellt werden muß. Jedem Besucher, besonders jeder Frau, gibt der „überdimensionale Haushalt“ des Hotel-Gaststättenbetriebes, der sich mit seinen vielen zeit- und arbeitsparenden Maschinen hier in abwechslungsreicher Vielgestaltigkeit ausbreitet, auch manche Anregung für den eigenen Haushalt. Die Schaukonditorei und Musterbäckerei sowie die Erfrischungsräume, die ihre verlockenden Waren markenfrei verabreichen, verfehlen ihre Wirkung nicht. –fer.