Navigare necesse est“ – Seefahrt tot not –, so sagten einst die römischen Besatzungslegionen an den Küsten westlich des ersten Eisernen Vorhangs, des Limes Heute spreche? die Okkupationstrappen in derselben Gegend englisch Gewiß wäre es vorschnell, deshalb das lateinische Von durch das angelsächsische „Britannia rules the waves“ – Britannien regiert die Meere – ersetzen wollen. Immerhin, man wird zweiten daran erinnert.

In Cuxhaven würde in einer Verhandlung des Hamburger Seeamtes ein deutscher Lotse freigesprochen, der im Nebel ein englisches Schiff in der Elbmündung auf Grund gesetzt hatte. Denn ein deutscher Lobe darf auf Anordnung der Alliierten nicht am Radargerät ausgebildet werden; er ist, wie im Fall der Empire Baltic“, auf die Ermittlungen der Schiffsbesatzungen angewiesen. Gleichzeitig mit dieser Meldung verlautete inoffiziell ans London, daß als Höchstgrenze für einen deutschen Schiffsbau eine Größe von 9000 BRT und eine Geschwindigkeit von 12 Knoten vorgesehen ist.

Die Motivierung ist in beiden Fällen die gleiche wie bei fielen östlichen und weltlichen Paktabschlüssen, bei Industriekontrollen und bei Demontagen. Die zwar nicht stichhaltige, aber dafür am so wirkungsvollere These von der deutschen Gefahr. So rot man wohl von deutscher Seite gut daran, nicht darauf hinzuweisen, daß zwölf Knoten die Fahrt ist, die deutsche U-Boote während des ersten Weltkrieges unter Wasser machten. Dieser gefährliche militaristische Vergleich könnte nur zu einer neuen Herabsetzung führen. Und wenn die Deutschen erst mit Radar umgehen können – weiß Gott, dann kann ein neuer Krieg nicht mehr fern sein.

Das also ist die seemännische Bilanz der vergangenen Woche: Ein blinder Lotse und eine schleichende Flotte. Wahrlich, die beiden passen gut zueinander. C. J.