In der von den Militärgouverneuren genehmigten Liste der Stahltreuhänder – der Volksmund hat sie die zwölf Apostel genannt – fällt auf, daß die Forderung der Gewerkschaften, vier von ihnen nominierte Vertreter zu stellen, erfüllt wurde, während in einem merklichen Gegensatz zu den vor kurzem erfolgten Erklärungen Clays und Robertsons aus den alten Konzernen nur Dr. Günther Henle (Klöckner-Werke) ernannt worden ist. Die Gewerkschaften sind daher mit ihrem Erfolg hoch zufrieden ... Von ihnen waren vorgeschlagen und sind genehmigt worden: Dr. Heinrich Deist, Wirtschaftsprüfer und Leiter des „Kontrollausschusses in der Treuhandverwaltung; Willi Geldmacher, Oberbürgermeister von Bochum (und Mitglied des Aufsichtsrates des Bochumer Vereins); Heinrich Meier, Abteilungsleiter in der Treuhandverwaltung (Aufsichtsratsvorsitzender bei mehreren entflochtenen Werken) und Dr. Erich Potthoff, Leiter des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts der Gewerkschaften in Köln.

Und nun die übrigen Namen: Direktor Heinrich Dinkelbach kommt zwar aus den Vereinigten Stahlwerken, ist aber als Leiter der Treuhandverwaltung, die im Auftrage der North German Iron and Steel Control die umkämpfte Entflechtung durchführte, der „Gewerkschaftsseite“ recht nahegerückt. Direktor Friedrich Härders, früher im Kohlen- und Forschungsinstitut der Vereinigten Stahlwerke und später beim Dortmund-Hoerder Verein tätig, ist jetzt technisches Vorstandsmitglied bei dem entflochtenen Hüttenwerk Hoerde. Dr. Herbert Monden, stellvertretender Leiter im früheren Verwaltungsamt für Stahl und Eisen, jetzt Fachstelle für Stahl, und Eisen, hat eine langjährige Hüttenpraxis. Dr. Karl Barich, Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie, ist Direktor des ausgegliederten Hüttenwerkes Geisweid. Professor Alfons Wagner von der Technischen Hochschule in München hat längere Zeit in mehreren Hüttenwerken gearbeitet und gilt als Hüttenfachmann „erster Klasse“. Rechtsanwalt Dr. Arthur Menge war früher. Oberbürgermeister von Hannover; er gilt offenbar als der Vertreter der Länderinteressen, speziell für Niedersachsen, das mit der Ilseder Hütte (Peiner Walzwerk) am „Komplex“ der Montanindustrie teilhat; Dr. Freiherr Gotthard von Falkenhausen, früher Deutsche Bank (Essen), jetzt Inhaber des Essener Bankhauses Burkhardt & Co., ist als Finanzsachverständiger in die Schar der Apostel aufgenommen worden. Die Gewerkschaften und die Gruppe Dinkelbach (einschließlich der beiden Vertreter der entflochtenen Werke) haben also zusammen acht von den zwölf Sitzen. Das ist eine ziemlich kompakte Mehrheit.

Die Arbeitsgemeinschaft der Schutzvereinigungen für Wertpapierbesitz bedauert mit Recht, daß die vielen Aktionäre („Kleinaktionäre“) der Montanindustrie keinen besonderen Vertrauensmann in dem Stahltreuhandverband erhalten haben. – Frankreich fühlt sich bei der Ernennung der Treuhänder übergangen. Der Combat bezeichnet die Liste als eine „Herausforderung“. Daß die kommunistische Presse in Frankreich von „notorischen Nazis“ spricht, sei nur der Kuriosität – halber vermerkt. Bei den im Revier tätigen amerikanischen Stahl-Fachleuten hat die Liste einige Überraschung hervorgerufen. Die Hintergründe der Entscheidung sind noch nicht klar zu erkennen. Vielfach meint man, daß sich hier eine neue amerikanische Politik ankündige.

Wenn in dem Treuhandverband auch eine Reihe guter Fachleute der Eisen- und Stahlindustrie vertreten ist, so kommt es für die Lösung, der ihm gestellten sehr schwierigen Aufgabe, die Dezentralisation zum Abschluß zu bringen und Vorschläge für die Neugliederung zu machen, doch sehr darauf an, daß die besten Kenner des Reviers zur Mitarbeit herangezogen werden, ohne daß sich wieder irgendwelche kleinliche Ressentiments bemerkbar machen. Bei der Lösung eines Problems spielt die Verbundwirtschaft zwischen Eisen und Kohle eine entscheidende Rolle. Die Gewerkschaften haben jetzt – an Stelle der Deutschen Kohlenbergbau-Leitung – für die Kohle ebenfalls einen Treuhänderverband, nach dem Muster der Stahlindustrie, vorgeschlagen. J. Sch.