Am 2. April begeht Pius XII. sein goldenes Priesterjukiläum.

Unvergeßlich bleibt die Stunde, da die hunderttausendköpfige Menschenmenge auf dem Petersplatz in Rom am Spätnachmittag des 2. März 1939 in Jubel ausbrach, als nach überraschend kurzem Konklave die Wahl des damaligen Kardinal-Staatssekretärs Eugenio Pacelli mitgeteilt wurde. Er war bekannt als römischer Patriziersohn, als Diplomat des ersten Weltkrieges, als Nuntius in München und Berlin, als Kardinal-Staatssekretär, der den Frieden zwischen Vatikan und Quirinal, zwischen dem Papsttum und dem italienischen Staat 1929 nach 59 Jahren der Spannung herstellte. Dieser große Diplomat, der 1917 schon als päpstlicher Friedensvermittler die Aufmerksamkeit der Welt auf sich gelenkt hatte, erschien dem Kardinalskollegium als die geeignete Persönlichkeit, die römische Kirche über die Katastrophe des zweiten Weltkrieges, die sich damals schon anbahnte, hinwegzuführen,

Pacelli hat in vielen Ländern auf Katholikentagen und Eucharistischen Kongressen den Heiligen Vater vertreten. Seine repräsentative, hochgewachsene, schlanke und elastische Erscheinung, sein markantes Gesicht mit den schwarzen, funkelnden Augen und der kräftigen Hakennase fiel überall auf. In deutscher und englischer, in französischer, spanischer, portugiesischer und lateinischer Sprache haben seine packenden Reden die Menschen gefesselt. Er hat eine ungewöhnliche Laufbahn hinter sich. Er hat mit 23 Jahren am 2. April 1899 in Rom die Priesterweihe empfangen, hat in Philosophie, Theologie und Kirchenrecht promoviert, war Professor der Diplomatie an der Adelshochschule in Rom, war mit: 42 Jahren Nuntius und mit 53 Jahren als Kardinal-Staatssekretär der führende Politiker des Vatikans. Aber er war – ein außergewöhnlicher Fall – niemals Bischof einer Diözese gewesen, als er 1939 als Bischof von Rom den Stuhl Petri bestieg und damit Papst wurde.

Pius XII. ist ein moderner Papst. Er stenographiert und schreibt selbst Schreibmaschine. Er bedient sich des Telephons, fährt Auto und begibt sich häufig nach seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo in den Bergen. Er empfängt Gelehrte aller Konfessionen und Nationen. Aber er ist zugleich einsam und asketisch. Er empfängt seine Verwandten nur an den Weihnachtstagen, führt kaum Privatkorrespondenz; er unternimmt täglich allein seine Spaziergänge in den Vatikanischen Gärten und nimmt sein bescheidenes Mahl allein ein. Obwohl seine Konstitution nicht sehr kräftig ist, trotzt er seinem Körper mit großer Energie ein Höchstmaß an Arbeit ab. Sie gilt dem Werk der Gerechtigkeit und der Liebe unter den Menschen, der Eintracht unter den Völkern und Klassen, kurz den hohen sittlichen Forderungen des Christentums in unserer zerrissenen, friedelosen Welt. Sein Wahlspruch „Opus iustitiae pax“ und sein Wappen, eine Taube mit dem Ölzweig über drei Bergen unter dem Regenbogen und der Tiara auf blauem Gründe, sind für ihn verpflichtend: durch Gerechtigkeit zum Frieden.

Bruno Lenz.