Zu Beginn dieser Woche liefen für die Doppelzone die ersten dänischen Eierimporte der Nachkriegszeit an. Bis Juli sollen 52 Mill. Eier für einen Gesamtbetrag von 2,5 Mill. $ eingeführt werden. Diese Tatsache darf allerdings nicht etwa zu der Folgerung verleiten, daß Dänemark über eine Eierschwemme verfügt. Dänemark hat umfangreiche und langfristige Lieferverträge vor allem mit Großbritannien, das also die Masse des dänischen Eierexportes aufnimmt. Die Eierlieferungen nach Westdeutschland finden vielmehr ihre Erklärung mit dem dänischen Bestreben, nun endlich einmal die bereits erheblich angelaufenen Schulden für die westdeutschen Kohlen- und Textilexporte auszugleichen.

Und gewissermaßen als Belohnung rollten die ersten Eiertransporte über Hamburg sofort nach dem Ruhrgebiet weiter, um dort in Krankenhäusern, Heilanstalten und Heimen Verwendung zu finden. Für diese Zwecke werden von den 52 Mill. insgesamt 12 Mill. abgezweigt und gleichmäßig in allen Ländern der Doppelzone verteilt werden. 40 Mill. Eier wird man einlagern, um sie zu einem späteren Zeitpunkt dem Verbrauch zuzuführen:

Wenn man bedenkt, daß vor dem Kriege der deutsche Eierverbrauch nur zu einem guten Drittel aus eigenen Beständen gedeckt wurde und zur Verteilung von nur einem Ei an jeden Verbraucher der Doppelzone allein 32 Mill. Stück notwendig wären, wird man sich davon überzeugen, daß von dieser an sich sehr begrüßenswerten Einfuhr der Däneneier kein besonderer Einfluß auf den deutschen Markt erwartet werden kann. Selbst die Hoffnung auf eine fühlbare Senkung der Preise für Inlandeier als Folge der Einfuhr billiger Auslandeier dürfte sich kaum erfüllen, wenn auch die dänischen Eier, je nach Güteklasse, für den Verbraucher nur 28 bis 30 Pfennig je Stück kosten. Zumindest dürfte aber mit der Einfuhr der billigen Eier aus Dänemark eine nicht zu unterschätzende psychologische Wirkung auf Erzeuger und Verbraucher erreicht werden.

Die zuständigen Fachstellen der VELF sind der Ansicht, daß eine Normalisierung des deutschen Eiermarktes nicht vor 1950 erwartet werden kann. Für dieses Jahr kommen--neben den 52 Mill. Stück aus Dänemark nur noch 2 Mill. Stück (für 100 000 $) aus Belgien und geringere Partien aus Schweden. Auch die Niederlande werden kleine Mengen von Eiern nach den Westzonen ausführen, obwohl man es in Holland lieber sehen würde, wenn wir statt der Eier das in großen Mengen anfallende, leichter verderbliche Gemüse abnehmen würden. ww.