Der nachfolgende Bericht unseres westdeutschen Korrespondenten geht nur auf einen Teilausschnitt der viel beachteten Rationalisierungstagung ein, die kürzlich in Düsseldorf stattgefunden hat: auf das Referat des Generaldirektors Kost von der DKBL nämlich. Auf die Ideen, die Dr. K. Pentzlin (Bahlsen-Hannover) und Dipl.-Ing. Harten (Verein deutscher Eisenhüttenleute) dort vorgetragen haben, werden wir in Kürze noch zurückkommen.

Wenn man die Tagung eines Rationalisierungsausschusses besuchen will und in einen Saal gerät, in dem sehr viel über Preispolitik, aber nur wenig über Normung, Fließband und Refa-System gesprochen wird, so ist es entschuldbar, wenn man zunächst glaubt, sich in der Tür geirrt zu haben. Kosten- und Preissenkung sind zwar letzten Endes Sinn und Zweck jeder Rationalisierungsmaßnahme, aber darüber sind sich wohl alle Beteiligten soweit einig, daß kaum noch etwas Neues dazu, zu sagen wäre. Lediglich über die technischen und organisatorischen Mittel zur Leistungssteigerung im Produktions- und Verteilungsprozeß sollte man noch eine fruchtbare Diskussion erwarten können.

Aber die Rationalisierung, die die Wirtschaftlichkeit im Betriebe verbessern will, setzt die rationelle Ordnung einer Volkswirtschaft voraus, wenn sie nicht zur Sisyphusarbeit werden soll. Nur. schlagen leider die Sünden, die wir uns in dieser Hinsicht zuschulden kommen lassen, nicht so klar und deutlich zu Buch, wie es, in der Erfolgsrechnung des Betriebes der Fall ist. Wenn daher der Leiter der Deutschen Kohlenbergbau-Leitung, Bergassessor Kost, auf der Arbeitstagung des Rationalisierungsausschusses der deutschen Wirtschaft in Düsseldorf gegen die Fehlkonstruktion des Kohlenpreises Sturm lief, so wollte er damit Energie, die nutzlos durch den Schornstein geht, nachzutrauern, denn sie kostet ja nicht allzuviel. Und wenn gar, wie bei der letzten Kohlenpreiserhöhung, die Gas- und Strompreise nicht angepaßt werden, so kann es gewiß geschehen, daß die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit auf den Kopf gestellt werden und eine wünschenswerte technische Entwicklung zum Schaden der gesamten Volkswirtschaft erschwert wird.

Seitdem Erhard uns den „Sprung ins kalte Wasser“ der freien Preise machen ließ, ohne sich groß um die Angst- und Warnrufe zu kümmern, sind wir wieder einigermaßen gegen weitere Experimente dieser Art abgehärtet. Gewiß, die idealen Voraussetzungen für das wirksame Spiel des freien Marktpreises – Elastizität von Angebot und Nachfrage – sind bei der Kohlenindustrie durchaus nicht gegeben, aber in zahlreichen anderen Industriezweigen sieht es in dieser Hinsicht nicht besser aus. Nachdem wir jedoch etliche Jahre die zweifelhaften Vorzüge des regulierten Preises und der Bewirtschaftung genossen haben, ist uns auch ein. gut Teil unserer Empfindlichkeit gegenüber den Nachteilen des freien Preises verlorengegangen. Es bleibt uns nur übrig, den Weg des kleineren Übels zu wählen, wobei uns gerade die Erfahrung der letzten Wochen das beruhigende Gefühl geben kann, daß auch die freien Preise nicht in den Himmel wachsen, sogar selbst dann nicht, wenn es sich de facto um Monopolpreise handelt. Auch der Monopolist ist den Gesetzen des freien Marktes unterworfen, wenn er auch den Vorteil hat, den Preis steuern und auf diese Weise den Absatz regulieren zu können. Er ist aber unlöslich mit dem Kosten- und Preisgefüge der gesamten Volkswirtschaft verbunden.

Unbestreitbar nimmt nun allerdings die Kohlenwirtschaft wegen ihrer Struktur eine Sonderstellung ein. Die Schwäche der Nachfrageseite ist ihre verhältnismäßige Unelastizität, während die Schwäche der Angebotsseite einmal in dem hohen Kapitalbedarf liegt, außerdem aber in der Tatsache, daß die Stillegung einer Zeche in der Regel den Totalverlust der gesamten Kohlensubstanz nach sich zieht. Im Interesse beider Gruppen wird man daher niemals ganz auf die Steuerung des Kohlenpreises durch Gemeinschaftsorgane verzichten können, nur wird man dabei mehr als bisher in enger Fühlung mit den Bedürfnissen des Marktes vorgehen müssen. Hier ist vor allem auch an das Sortenproblem des Kohlenbergbaus zu denken, das eines Tages wieder akut werden wird und zu dessen Lösung eine elastische Differenzierung der Sortenpreise wesentlich beizutragen haben wird. R–r.