DIE ZEIT

Elternrecht kommt vor Staatsgewalt

Deutschland war nicht dabei, als in Paris die Charta der Menschenrechte der Vereinten Nationen beschlossen wurde. Und in der Frage des Elternrechts scheint Deutschland nicht nur räumlich, andern auch geistig abwesend gewesen zu sein.

Der estnische Präsident

Jueri Jaakson und seine Ehefrau wurden unlängst vom Amtsgericht Oldenburg für tot erklärt. Wenn man hinzufügt, daß der in Oldenburg bescheinigte Tod vor Jahren in Sibirien erfolgte, bedarf – so scheint es – diese Nachricht einer Interpretation.

Trauer und Verachtung

So heißt es in der amtlichen Verkündigung über die Grenzveränderungen, die von den westlichen Demokratien an den deutschen Westgrenzen befohlen worden sind: Die Maßnahme ist durch „administrative Erfordernisse und die Verhältnisse, die den Verkehr entlang der Westgrenze Deutschlands betreffen, gerechtfertigt“.

Deutschland vor dem Unterhaus

Wir geben die Hoffnung nicht auf, daß die Einheit Deutschlands wiederhergestellt wird, was niemand auf die Dauer verhindern kann“, sagte Außenminister Bevin während der letzten Deutschlanddebatte im britischen Unterhaus.

Die böse Westmark

Lange Schatten wirft die Währungsumstellung in Berlin auf die Zone, die die Stadt umgibt. In den ersten Tagen versuchten die Ost-Institrationen (sowohl die SMA selbst wie die Wirtschaftskommission und die SED) das Ereignis durch Totschweigen zur Bagatelle zu entwerten.

DIE WOCHE

Die Außenminister der am Atlantikpakt beteiligten Staaten trafen zur Unterzeichnung des Vertrages in New York ein. Über Spaniens Teilnahme an dem Bündnis ist noch nicht endgültig entschieden.

Neuordnung der arabischen Welt

Wer nach den schweren militärischen und außenpolitischen Schlägen, die die arabischen Staaten seit Beginn des Palästinafeldzuges erlitten haben, etwa annahm, daß die arabische Welt nun in Chaos und Bürgerkrieg versinken werde und jede Bedeutung als selbständiger Faktor der Weltpolitik verloren habe, hat die Wendigkeit und das Geschick der arabischen Führer und die Beharrungskraft der Bevölkerung ebenso unterschätzt, wie so mancher die militarischen Möglichkeiten der mangelhaft ausgerüsteten arabischen Heere einst überschätzt hat.

Die Blindschleiche

Navigare necesse est“ – Seefahrt tot not –, so sagten einst die römischen Besatzungslegionen an den Küsten westlich des ersten Eisernen Vorhangs, des Limes Heute spreche? die Okkupationstrappen in derselben Gegend englisch Gewiß wäre es vorschnell, deshalb das lateinische Von durch das angelsächsische „Britannia rules the waves“ – Britannien regiert die Meere – ersetzen wollen.

Entfaschistifizierung

Die Geschichtsschreiber meinen, daß Camilla Borghese, der als Paul V. 1605 den päpstlichen Thron bestieg, im die Reihe der „guten Päpste“ eingegangen wäre, wenn er nicht eine übermäßige Zuneigung für seine Verwandtschaft an den Tag gelegt hätte.

Der beste Kopf der französischen KP

Für den Abschluß der Debatten hatte die Verteidigung sich in der 18. Sitzung einen Zeugen von Rang in Reserve gehalten. Es ist der Nobelpreisträger Joliot-Curie, Chef des französischen Instituts für Atomforschung, ohne Zweifel der beste Kopf unter den Mitgliedern der KP Frankreichs.

Ost gegen West im Gerichtssaal

Am 4. April soll nun endlich das Urteil im Prozeß Kravchenko gegen „Lettres Francaises“ verkündet werden. Damit wird die merkwürdigste, vor einem Gericht der Nachkriegszeit bisher ausgefochtene Auseinandersetzung zwischen östlicher und westlicher Ideologie ihr Ende finden.

Carl Orff und das musikalische Theater

Am Anfang der Operngeschichte steht eine Kunsttheorie mit einer ungefähren Vorstellung von der griechischen Tragödie. Das Ungefähre wurde zu einem neuen theatralischen Stil, der durch vier Jahrhunderte lebendig geblieben ist, obwohl er oft genug theoretisch ad absurdum geführt wurde.

Das Bildnis des Bodensees

Im Rosgartenmuseum in Konstanz liegt ein Knochen, in den vor 20 000, vielleicht vor 30 000 Jahren die Hand eines unbekannten Künstlers mit Auge und Empfinden anspringender Unmittelbarkeit ein weidendes Rentier eingeritzt hat.

Diplomat und Asket

Unvergeßlich bleibt die Stunde, da die hunderttausendköpfige Menschenmenge auf dem Petersplatz in Rom am Spätnachmittag des 2.

Ich helfe den Gespenstern

Neben dem Denkmal, das den schlafendenLöwen zu den Füßen eines Mannes mit ungebügelten Hosen zeigte, der mit keinem Ausdruck verriet, warum er hier aufgestellt worden war, befand sich das kleine Kaffeehaus, in dem ich soeben gegessen hatte.

Teurer Kolossal- Kitsch

Eine 50 Meter hohe Christusstatue aus Bronze soll in Zukunft auf der Insel Borkum schon von weitem die Schiffe grüßen, die Deutschland anlaufen.

Besinnung und Ermutigung

Keine deutsche Metropole hat durch den Krieg so sehr gelitten wie Köln. Natürlich liegt die Aufgabe, Köln aufzubauen, vornehmlich bei den Kölnern selbst.

Versicherungs-Potpourri

Der seit 1901 bestehende Deutsche Versicherungs-Schutzverband e. V., mit über 140 angeschlossenen Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, Wirtschafts- und Fach verbänden sowie mit mehr als 3000 Mitgliedern die größte Versicherungsnehmerorganisation, hat seinen Sitz von Berlin nach Bonn verlegt.

„Ing. tex.“

Seitdem die ostdeutschen Bekleidungszentren, wie Berlin, Stettin und Breslau, weitgehend ausfallen, wurde im Westen, zumal in Köln, eine sehr leistungsfähige Bekleidungsindustrie ausgebaut.

Deutsche Gaststätten werben

Besonders in der heutigen Zeit wird es nicht zu materiell anmuten, wenn man das Gaststätten- und Hotelgewerbe als Devisenbringer herausstellt.

Mündig gesprochen

Der Zentralbankrat hat nun die Aufhebung derKreditkontingentierung beschlossen, da, wie es so nett formuliert wird, nach den Erfahrungen der letzten Wochen die Geldinstitute auch ohne eine Kreditkontingentierung die nötige Zurückhaltung bei der Kreditgewährung üben werden.

Der „erste Mann des Jahrhunderts“

Freunde nannten den am 1. Januar 1800 geborenen Hamburger Ferdinand Laeisz den „ersten Mann des Jahrhunderts“. Sein Elternhaus stand in der „Herrlichkeit“, so heißt eine Straße an Hamburger Hafen.

Die zwölf Apostel

In der von den Militärgouverneuren genehmigten Liste der Stahltreuhänder – der Volksmund hat sie die zwölf Apostel genannt – fällt auf, daß die Forderung der Gewerkschaften, vier von ihnen nominierte Vertreter zu stellen, erfüllt wurde, während in einem merklichen Gegensatz zu den vor kurzem erfolgten Erklärungen Clays und Robertsons aus den alten Konzernen nur Dr.

Preisprüfungen

In Ergänzung ihrer von uns kürzlich (vgl. Nr................................................................................

Eier gegen Kohle

Zu Beginn dieser Woche liefen für die Doppelzone die ersten dänischen Eierimporte der Nachkriegszeit an. Bis Juli sollen 52 Mill.

Bereits überholt...

Ein Hauptschrittmacher des Jedermann-Programmes, der Jedermann-Schuh, hat, wie es scheint, jetzt schon sein Ziel erreicht: er ist überflüssig geworden.

Eine neue Kost-Probe

Der nachfolgende Bericht unseres westdeutschen Korrespondenten geht nur auf einen Teilausschnitt der viel beachteten Rationalisierungstagung ein, die kürzlich in Düsseldorf stattgefunden hat: auf das Referat des Generaldirektors Kost von der DKBL nämlich.

Mittel oder Zweck?

Es genügt nicht, den Krieg zu verdammen, man muß ihn in seinem Un-Wesen und Un-Sinn begreifen. Es reicht nicht hin, den blinden Militarismus und das wilde Landsknechtstum mit Worten abzulehnen, wenn man nicht die geheimen Krankheitsherde in der eigenen Seele auszurotten gewillt ist.

Gestaltung statt Mitteilung

Im Zeitbild der Überschallgeschwindigkeit, der Transozeanlinien und der Weltkonferenzen muß die Existenz des Dichters unscheinbar, wenn nicht unverständlich wirken.

Der Eigenweg des Menschen

Als1923 der Berliner Universitätsprofessor Max Westenhöfer, der als Mitarbeiter Rudolf Virchows und Direktor des pathologischen Museums in Berlin, vor allem aber – auf Grund langjähriger Gelehrten Wirksamkeit in Chile – als Eroberer Südamerikas für die deutsche medizinische Wissenschaft einen internationalen Ruf genoß, seine erste wissenschaftliche Veröffentlichung über die Menschwerdung herausbrachte, begann eine Revolution im stammesgeschichtlichen Denken.

Mitternächtliche Beichte

Georges Duhamel, Franzose und Weltbürger, Dichter und Arzt, Mitglied der Academie Française und Kommentator des „Figaro“, ist eine der schillerndsten und originellsten Erscheinungen unter den heutigen Geistern Frankreichs.

Die deutsche Widerstandsbewegung

Es gibt noch keine zusammenhängende, quellenkritisch fundierte, wissenschaftlich einwandfreie Darstellung des deutschen Widerstandes gegen Hitler.

Zwischenspiel eines Augenblicks

Richard Aldington, aus dem Kreise der engsten Freunde von D. H. Lawrence, ist einer der bedeutendsten Vertreter des englischen Schrifttums.

Der Biologe als Prophet

Die Erschütterung über den allzu frühen Tod von Lecomte du Nouy (er zählte erst vierundsechzig Jahre) wird in Deutschland nur wenige Menschen treffen; denn außerhalb eines kleinen Kreises von Biologen und Physikern ist der Name dieses Mannes unbekannt.

Der Totentraum

Hermann Kasacks Roman „Die Stadt hinter dem Strom“, den der Suhrkamp-Verlag, Berlin, in neuer Auflage herausbringt, ist ein berühmtes Buch geworden.

Wiedersehen mit Büchern

Viele Bücher sind uns verbrannt oder zerbombt, und andere, die wir gern gelesen hätten, waren verboten. Wir hatten uns darauf gefreut, viel Lektüre nachzuholen, wenn sie nach dem Ende des Krieges auf dem Markt erscheinen würden.

Michael Vagrant

Mit seinem Roman „Michael Vagrant“ (Hans von Hugo Verlag, Hamburg) ist Burkhard Nadolny ein dichterisch konzentrierter Zeitroman gelungen.

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