Der Zentralbankrat hat nun die Aufhebung derKreditkontingentierung beschlossen, da, wie es so nett formuliert wird, nach den Erfahrungen der letzten Wochen die Geldinstitute auch ohne eine Kreditkontingentierung die nötige Zurückhaltung bei der Kreditgewährung üben werden. Als auf der zwei Wochen zurückliegenden letzten Sitzung der Mut zu diesem Schritt noch nicht vorhanden war, hieß es gesprächsweise, daß die Banken selbst die Kreditkontingentierung sehr gern sähen, weil sie unter Hinweis auf die „sture Haltung“ der Landeszentralbanken und auf die rigorosen Kreditrestriktionen ja Kredite leicht ablehnen könnten.

Die Banken sind also nach Ansicht der Bank deutscher Länder mit dem 22. März mündig geworden, d. H. volle neun Monate nach der Geldreform. Es wird ihnen jetzt zugetraut, daß sie die Qualität eines Wechsels beurteilen können, nachdem sie in den letzten Monaten mit Wechselprotesten, Insolvenzen, eingefrorenen Krediten usw. genügend bittere Erfahrungen gesammelt haben. Die strengen Vorschriften über die Anforderung an das Wechselmaterial bleiben natürlich bestehen. Die Bank deutscher Länder und die Landeszentralbanken haben ergänzend wissen lassen, daß sie scharf durchgreifen, wenn Wechsel zum Diskont eingereicht werden sollten, die nicht den „klassischen Ansprüchen“ entsprächen. Es würde nie zugelassen werden, daß, mit Hilfe von Wechseln, Läger unnötig durchgehalten oder Investitionen finanziert werden. Die Landeszentralbanken würden sofort bei der Rediskontierung reagieren. Wenn diese Verstöße größeren Umfang annehmen und eine Kreditausweitung eintreten sollte, würde die Bank deutscher Länder den Diskont heraufsetzen.

Die Bank deutscher Länder will also als tugendhafte junge Dame in die Geschichte der Notenbanken eingehen und verlangt eine entsprechende Haltung von den Kreditbanken. Dieser Kurs ist im Interesse der gesunden Wirtschaftsentwicklung, zu der eine Preisstabilität gehört, nur zu begrüßen; es ist ja nicht zu leugnen, daß die Verhältnisse noch exzeptionell sind, daß also die Tendenz besteht, überall gegen den Richtsatz zu verstoßen, in dem es heißt: „Der Wiederaufbau der Industrie und der zerstörten Wohnungen kann nicht mit Wechseln finanziert werden.“ Die Bark deutscher Länder ist gottlob wenig geneigt, sei der Vorfinanzierung der Investitionen, die ja nun wirklich nicht aus Mitteln originärer Kreditschöpfung erstehen können, nun etwa solche Wege zu beschreiten, die inflationistisch wirken könnten und wird auch entsprechend reagieren, wenn etwa die nun „mündig“ gewordenen Privatbanken die Finanzierung wichtiger Baupläne besprechen möchten. Die Banken werden kaum Gefahr laufen wollen, wieder entmündigt zu werden, indem sie etwas fragwürdig erscheinende Wechsel präsentieren. Aber sie werden immer eindringlicher die Frage stellen, wie solche Kreditwünsche befriedigt werden können, wenn die Wiederaufbau-Bank und ihre Töchter nicht bald in Aktion treten... gr.