Der Ernährungsausschuß des Wirtschaftsrates wie auch der gleiche Ausschuß beim Länderrat ist dem Vorschlag der Bauernverbände gefolgt und hat die Aufhebung der Schweinefleischbewirtschaftung in Aussicht genommen. Als Termin hierfür wurde jedoch nicht der 1. Juli, sondern der 1. Oktober vorgesehen. Die Aufhebung wird von einer befriedigenden eigenen Ernte und von ausreichenden Futtergetreideimporten abhängig gemacht.

Das Schwein lieferte im Frieden zwei Drittel des Fleisch- und ein Drittel des Fettverbrauchs. Von seinem Lohn verausgabte der städtische Arbeiter 24 v. H. für tierische Erzeugnisse, vorwiegend Schweinefleisch und -fett, und nur 8,7 v. H. für Brot und Nährmittel. Bei dieser Schlüsselstellung des Schweins bestimmt die Freigabe die Preise aller Viehprodukte – und zwar jetzt vermutlichen fallender Richtung. „Schwarze“ Schweine sind in den letzten Monaten von 3 auf 1,50 DM je Pfund Lebendgewicht im Preis gefallen. Amerikanisches Schmalz kostet cif Hamburg etwa 0,55 DM je Pfund! Mithin wäre die Regierung in der Lage, auch mit beschränkten Einfuhren etwaige ungesunde Preisauswüchse abzufangen – vorausgesetzt eben, daß die JEIA „mitzieht“.

Umgekehrt wird sich die Anpassung des Getreidepreises an das Preisniveau für Schweinefleisch und -fett nicht vermeiden lassen. Andernfalls würde es, im gleichen Umfang wie im laufenden Jahr, in den Schweinetrog wandern. Die „Freigabe des Schweins“ bedeutet also praktisch das Ende der zehnjährigen gesamten Zwangswirtschaft überhaupt.

Wie sind nun die Aussichten für die Ernte und die Einfuhren 1949? Der Saatenstand ist vorzüglich. Die Landwirte werden alles daransetzen, eine befriedigende Kartoffelernte hinzustellen, schon um aus der ekelhaften Mogelei herauszukommen. Im Gegensatz zum Vorjahr steht endlich ausreichend Dünger zur Verfügung. Seitdem wir von der Osthälfte Deutschlands getrennt sind, sind jedoch die Maisimporte entscheidend.

In den USA haben die Farmer nicht, wie es die Regierung empfahl, die Weizenaussaat um 9 v. H. eingeschränkt, sondern noch um 6 V. H. erhöht. Auch der enorme Ernteertrag des Vorjahres wird die Farmer offenbar nicht zu einer Anbaubeschränkung veranlassen. Ferner werden die USA mit den drei- bis vierfachen Maisvorräten (etwa 21 Mill. t) in die neue Ernie gehen. Die Aussichten für ausreichende Import? erscheinen durchaus gegeben, wie dies die „Zeit“, bereits im September erwartet hatte – immer unter der Voraussetzung, daß JEIA und ERP zu entsprechenden Dispositionen bereit sind.

Also könnten sich die obengenannten „Voraussetzungen“ sehr wohl erfüllen. Warum nun aber die Terminverschiebung von Juli . auf Oktober? Sie muß unvermeidlich zu einer Verzögerung der Ablieferungen führen. Anfang Juli lassen sich die Ernteaussichten einigermaßen übersehen. Die Abrechnung der Importe zu Weltmarktpreisen macht wohl ohnedies eine Neuregelung der Agrarpreise ab 1. Juli notwendig. Sollte man also die Terminverschiebung nicht einer Prüfung unterziehen? v. Oe.–R