Die Tage des „freien Bauerntums“ in der Ostzonesind gezählt! Eben erst mit Fanfarenstößen begonnen, geht der Singsang und Schnickschnack östlicher Blu-Bo-kratie, umwallt von den Spruchbändern sowjetischer Verheißung seinem Erde entgegen. Der „befreite“ Bauer befindet sich nunmehr im Vorhof zum Allerheiligsten: im Vorstadium der Kolchose.

Die Deutsche Wirtschaftskommission hat als oberste Zentralbehörde soeben angeordnet, daß du Maschinen-Ausleih-Stationen (MAS) erweitert und verbessert werden müssen – deutlicher gesagt: daß sie entsprechend dem großen Vorbild der Motor-Traktor-Stationen in der UdSSR zum Kernpunkt der kollektiven Agrarverfassung werden sollen. Sie werden. in Zukunft nicht nur als Sammelstelle aller Landmaschinen eine wirtschaftliche Funktion haben, sondern gleichzeitig ein politisches und kulturelles Zentrum darstellen. Jede dieser MAS wird neben dem Maschinenschuppen und der Reparaturwerkstatt ein „Kulturhaus“ erhalten mit einer mindestens 1000 Bände umfassenden Bibliothek, Vortragsräumen – natürlich mit der obligaten Lautsprechereinrichtung – undregelmäßig stattfindenden Beratungen. Endlich also wird den „Werktätigen auf dem Lande“ die Möglichkeit geboten, unmittelbar aus dem ewigen Quell volksdemokratischer Erkenntnisse zu schöpfen.

Zunächst wird bei der Deutschen Wirtschaftskommission eine „Verwaltung der MAS“ errichtet, in der alle Maschinen-Ausleih-Stationen sowie die ihnen dienenden Produktionsstätten, Reparaturbetriebe und Lager zusammengefaßt werden. Die erste Einlage der Deutschen Wirtschaftskommission soll Vermögenswerte in Höhe von 100 Millionen DM-Ost umfassen, darunter auch eine Reihe von volkseigenen Betrieben. Die SMA wird dafür sorgen, daß etwa 1000 Traktoren aus Rußland geliefert werden und die Hauptverwaltung Finanzen ist angewiesen, der „Verwaltung der MAS“ die Mittel für die Durchführung der Bauten und für den Ankauf weiterer Geräte zur Verfügung zu stellen.

Mit der Liquidierung der Junker ist der Klassenkampf in der Ostzone keineswegs abgeschlossen worden. Heute wird mit der gleichen Erbitterung und der neuen Devise: „Die Kulaken sind an allem schuld“ gegen die alteingesessenen Großbauern, soweit sie die Agrarreform überlebt haben, zu Felde gezogen. „Die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe“, die zur Stützung der großenteils lebensunfähigen Neubauern gegründet worden war und deren Maschinenbestände aus dem Besitz der enteigneten Großbauern und Grundbesitzer stammte, wird jetzt in die MAS eingegliedert. Die VdgB war bereits die erste, Vorstufe im System der Kollektivierung die Landwirtschaft, die MAS aber führt ein gut Stück weiter auf dem Weg zur Kolchose, die im Grunde mir noch durch den Individualismus der Altbauern aufgehalten wird. Dff.