Wie für die sowjetische Außenpolitik als Ganzes so ist auch für die Behandlung der nationalen Probleme in Europa und der Welt überhaupt der Unterschied zwischen Strategie und Taktik maßgebend. Grundsätzlich ist für den Bolschewismus die nationale Frage ein Teilproblem des imperialistischen Problems, Der Leninismus wird den Freiheitskampf aller Völker, aller Nationalitäten unterstützen, die dem kapitalistischen Imperialismus unterworfen sind, und zwar auch dann, wenn dieser Kampf durchaus von rein nationalistischen, nicht von proletarischen Elementen und nicht in klassenkämpferischer Zielsetzung durchgeführt wird. Nur darauf kommt es an, daß durch diesen Freiheitskampf kapitalistische und imperialistische Mächte geschwächt werden. Aus dieser Gesinnung heraus begrüßte im vorigen Jahrhundert Marx den Freiheitskampf der Polen, in unserem Jahrhundert Lenin die Opposition Deutschlands gegen den Versailler Vertrag. Die marxistisch-leninistische Zielsetzung aber kann niemals mit nationalen Bewegungen, mit nationalstaatlichen Idealen identifiziert werden. Ihr letztes Ziel ist vielmehr die völlige Gleichheit, die engste Vertrautheit untereinander und die spätere Verschmelzung aller Nationen – die Verschmelzung zu der einen klassen- und staatenlosen, kommunistischen menschlichen Gesellschaft

Bis zum Jahre 1933 umfaßt die vorliegende, für das internationale Publikum gedachte Ausgabe die Schriften und Reden Stalins. Diese Veröffentlichung bietet also das, was die Angehörigen der kapitalistischen Staaten von den Überzeugungen und Zielen der sowjetischen Staatsführung erfahren sollen. Selbstverständlich erfahren sie nicht alles, was die politische Gedankenwelt des mächtigsten Mannes der Erde ausmacht, aber doch sehr viel mehr, als wohl mancher vermutet hätte.