Ein unerschöpfliches Thema der Pariser Tagesgespräche ist die Garderobe der „dandies de l’existentialisme“. Waltener, Pardot, Feserling und Charalbe sind die unsterblichen Namen der Modeschöpfer. Ihre Ateliers (falls man sich sofort mit ihnen ins Benehmen setzen will) befinden sich in Saint-Germain-des-Pres. Auch die Namen der männlichen Mannequins, die jederzeit die neuesten Kreationen für den „Herrn des Existentialismus“ vorführen, sind bekannt: Monsieur Edouard, Monsieur Leon, Monsieur Arthur.

Man muß die neuesten Modeschöpfungen im Detail schildern, will man sie recht genießen.

1. Jackett: Weniger lang als 1948 (Ich bin überzeugt, daß die Herren wissen, wie lang das zu sein hat. Ich selbst weiß es nicht). Revers viel größer. Aufgesetzte Taschen. „Warme Farben“ bevorzugt: „havane“, „ardoise“, „sterbende Blätter“, „lächelndes Grau“. Die Existentialisten-Jacke muß bauschig, muß glockig sein. Man kann sich auch rote und gelbe Aplikationen (Weintraubenranken oder ähnliches) drauf setzen lassen. Als Stoffart wird weiterhin Manchester bevorzugt.

2. Über die Hosen sind nicht viele Worte zu verlieren: Sie sind unten noch enger als bisher und beginnen erst 23 Zentimeter über dem Boden, sind also dem „New Look der Damen angepaßt.

3. Westen sind gegenwärtig in existentialistisehen Modekreisen noch heiß umstritten. Wenn Westen getragen werden, dann gilt als Regel: „une fantasie de bon goüt“.

4. Bezüglich der Hemden werden für den Existentialisten erfreulicherweise (wohl mit Rücksicht auf den Textilmangel) keine besonderen Vorschriften gemacht. Es entspricht indessen dem guten Geiste der Bewegung, daß sie die gleiche Farbe haben wie die Socken.

5. Krawatten sind nicht en voque momentan. War sie doch trägt, dem wird hier alle Freiheit geschenkt. Ich sah viele überzeugte Anhänger, die sich breite Schuhbänder, mehrfach verknotet, umhingen, während andere wieder Bohémeschleifen à la Rudolph (siehe Murger „Bohème“ oder auch die gleichnamige Oper von Puccini) und Lavaillieres trugen.