Die Kinder von Heuzecourt waren Kinder, wie in aller Welt Kinder sind, aber das. sah nur so aus, zu allererst waren es franzö-, sische Kinder.

Da waren Monique und da war Catherine. Monique war gerade gefirmt, sie war ja schon groß, so groß, eine Dame. Ihre erste intime Fragt an mich, als wir uns kennenlernten, war: „Avez vous une Chérie?“ (Ob ich eine Liebste hätte fragte sie, diese Kleine, und es schien ihr das Wichtigste zu sein, was es gab.)

Catherine war noch klein, acht Jahre erst alt, lebendig wie Wiesel war sie; wo man hinschaute, sah man nur sie, zapplig wie ein Huhr, das man fangen will. Sie enterte mich, sie raubte mich förmlich, sie nahm Besitz von mir, ich wurde ihr Sklave. Ihr erstes Wort morgens, wenn wir uns sahen: „Henri, moi ta Chérie!“ („Ich bin deine Liebste!“) Bei Gott, und das war sie. Ich wurde geküßt, gekratzt, gebissen, ich mußte sie bedienen, mit ihr spielen, auf ein Lächeln warten, ach, und sie war so launisch und so kokett, aber so lieb auch, so lieb, so eine Liebste gefiel mir schon.

Aber auch die jungen Wangen so anhänglich. „Bist du mein Freund?“ fragte ich René. Was war er empört!

„Ton ami? ah non“, sagte er, „tu es man camarade!“ („Mein Kamerad bist du, nicht Freund!“) Was für eine Verachtung auf diesem Wort „ami“, das scheinbar nur eine Deutung mehr zuläßt, die des Dritten. Das wußte ich nicht. Vielleicht wußte auch René nichts davon; aber daß es eine Beleidigung war, „am!“ zu ihm zu sagen, das sah ich wohl.

Da war noch José. Gerade war er zur Schule gekommen. Schwarze wilde Löckchen, braunes Gesicht und wild, so wild; ich fing ihn kaum, so wand er sich, so schnell, so schlank, so behend. Da stand er dann in der Ferne und lachte mich aus. Ich fragte ihm einmal, als die anderen Kinder in der Kirche waren und er allein in der Sonne spielte, warum denn er nicht zur Kirche ginge.

„Moi“, schrie er, „moi cathédrale? Moi? Moi? Moi? cathédrale? Ab moi pas cathedrale, jemals!“ Und ich fing ihn, den kleinen Fanatiker, und er zappelte in meinen Armen und beruhigte sich nicht. Er, er, er, in die Kirche gehen? Er in die Kirche? Er? Niemals, nie! Ah, und fuchtelte mit den Armen und legte die Hand aufs Herz.