Von unserem Sonderberichterstatter

H. E., New York, im April

Am 9. April wird im Rockefeller Center in New York die „Military Government German Exhibition Industry Show“ eröffnet. Sie ist nach Kriegsende die erste Ausstellung deutscher Erzeugnisse in Übersee. Es fehlt in den Vereinigten Staaten nicht an Stimmen, die gegen diese Veranstaltung Stellung nehmen. Die Motive sind bekannt. Sie liegen auf der gleichen Linie, die durch Namen wie Gieseking und ten Hoff charakterisiert sind. Auf der anderen Seite stehen aber viele Äußerungen, die, gemischt aus Sympathie und geschäftlicher Erkenntnis, das deutsche Angebot auf amerikanischem Boden lebhaft begrüßen.

Betrachten wir die Angelegenheit sine ira et studio: Deutschland braucht, um wirtschaftlich und politisch existent zu werden, einen Export, der folgerichtig vor allem auf den Markt ausgerichtet sein muß, der uns mit dringend notwendigen Importwaren speist. Dabei wollen wir uns aber auch die nüchterne Tatsache vor „Augen halten, daß die Eigenerzeugnisse Amerikas den deutschen Waren scharfe Konkurrenz bieten werden. Zweifellos müssen die jetzt in New York gezeigten deutschen Produkte – seien es nun Maschinen, feinmechanische und optische Spezialitäten, elektrotechnische Artikel, Werkzeuge oder Textilwaren, Bekleidung, Spielwaren, Lederwaren, Porzellanwaren, handwerkliche Erzeugnisse und die einst in Amerika so beliebten Gablonzer Waren – einer eingehenden Prüfung der amerikanischen Abnehmerschaft standhalten. Qualität und Preis sind in dieser Hinsicht ausschlaggebende Faktoren. Mit Recht hat deshalb das Ausstellungskomitee der New Yorker Schau die teilnehmenden Firmen aufmerksam gemacht, den angebotenen deutschen Waren eine besondere Note der Qualität und Spezialität zu verleihen und sich in der Preisfestsetzung unbedingt dem Preisstand gleichartiger amerikanischer Erzeugnisse anzupassen. Im einfühlenden Verständnis für die Gewohnheiten der amerikanischen Kundschaft dürfte der Angelpunkt des Verkaufserfolges liegen.

Nicht hoch genug ist in diesem Zusammenhang die Tatsache zu bewerten, daß das von rund 500 westdeutschen Firmen in New York in Einzelständen und in Kollektivschauen gezeigte Angebot von mehr als 300 Angehörigen dieser Firmen persönlich vertreten sein wird. Was Brief, Katalog oder Prospekt nicht vermögen, das darf man von der Aussprache von Mann zu Mann erhoffen.

Wiedergewinn des persönlichen Vertrauens, das ist die unsichtbare und doch doppelt unterstrichene Devise der New Yorker Schau, die schon jetzt in den USA eine überaus bemerkenswerte Publicity gefunden hat. Möge sich die in dieser, Devise liegende Hoffnung erfüllen.