Von Unserem Kölner Korrespondenten

Die Zeiten sind vorbei, in denen nach dem Volksmund auf den Messen im Gegensatz zum schwarzen Markt alles zu sehen und nichts zu kaufen war. Auch die Messen gewinnen ihre früheren Funktionen zurück und können wieder als Wirtschaftsbarometer gelten.

Wie auf der Kölner Schuhfachmesse zeigte sich der tiefe Wandel der wirtschaftlichen Verhältnisse in aller Deutlichkeit auch während der Jubiläumsmesse, die trotz der Erweiterung der Ausstellungsfläche um 10 000 qm die Zweiteilung – wegen der Zunahme der Aussteller aus den drei Westzonen um 700 auf 1500 – beibehalten mußte. Das Angebot auf der Textilmesse war sehr reichhaltig, qualitativ wesentlich verbessert und in den Preisen den allgemeinen wirtschaftlichen und kreditpolitischen Verhältnissen schon weitgehend angepaßt. Punkte spielten keine Rolle mehr. Die Einkäufer sind sehr wählerisch geworden und stellten hinsichtlich Qualität, Preis, Musterung und modischen Schnitt hohe Ansprüche. Trotz vorsichtigen Disponierens und kurzfristiger Zahlungsziele kam es zu sehr beträchtlichen Umsätzen. Für Jedermann-Ware allerdings bestand kein oder nur geringes Interesse. Der Kunde ist bereit, für eine bessere Ware einen entsprechend höheren Preis anzulegen (Herren-Anzüge in der Preislage von 85 bis 95 DM, die im Laden etwa 120 bis 130 DM kosten, wurden ganz besonders gefragt). Die Wünsche nach guten Kammgarn- und Wollstoffen sowie nach reiner Seide können von der Industrie noch nicht erfüllt werden. Viele Betriebe für Damen- und Herrenwäsche vermochten in kürzer Zeit so viele Abschlüsse zu buchen, daß sie auf vier bis acht Monate ausverkauft sind, weil für eine noch größere Produktion die Rohstoffe fehlen Die Lage wird sich hier ebenfalls weiter bessern, wenn auch der Kapazitätsausbau der Spinnereien eine wesentliche Voraussetzung ist. Der Bedarf an Meterware, Baumwollstoffen, Nessel und insbesondere an Haus-, Tisch- und Bettwäsche kann bei weitem noch nicht gedeckt werden.

Begrenzte Kaufkraft, stärker gewordene Konkurrenz – der beste Preiskommissar – und das allgemeine Liquiditätsbedürfnis beeinflussen die Kalkulation der Industrie und des Handels, zwischen denen sich auch wieder normalere Beziehungen einspielen. Die durch die Messen gegebenen leichten Vergleichsmöglichkeiten begünstigen das Auspendeln der Preise.

Während man auf der Textilmesse mit den Geschäftsabschlüssen durchweg zufrieden bis sehr zufrieden war, klagten die Gruppen Leder- und Galanteriewaren, Schmuck, Kosmetik, Parfümerien und Kunstgewerbe über mangelhaften Absatz. Das Dringendste hat eben-den Vorrang.

Die Zahl der Aussteller auf der Messe für Haus- und Wohnbedarf, Beleuchtung, Spielwaren, Büro-Organisation und chemisch-technische Erzeugnisse ist mit 900 über doppelt so groß wie im Herbst letzten Jahres. Entsprechend umfangreicher und vielseitiger ist das Warenangebot. Auch die Qualitätsverbesserung hat wesentliche Fortschritte gemacht. Man kann durchweg von Friedensqualität sprechen. Anspruchsvolle Einkäufer achteten sehr auf die Preise, die, verglichen mit denen der Herbstmesse, vielfach um 10 bis 20 v. H. herabgesetzt worden sind, speziell bei Aluminiumerzeugnissen und Spielwaren. Das Beste und Teuerste „ging“ besonders, wenn auch nur in kleineren Mengen oder in Einzelstücken, wie z. B. emaillierte und vernickelte Herde. Bei Gebrauchs- und Luxusporzellanen sind noch 2 bis 3 Monate Lieferfrist üblich. Das starke Angebot in manchen Branchen ist wohl auf den erschwerten Auslandsabsatz zurückzuführen, wie z. B. bei Solinger Stahlwaren. Die Zahlungsbedingungen sind ziemlich einheitlich; bei sofortiger Zahlung 3 v. H. Skonto, bei Zahlung nach 14 Tagen 2 v. H. und nach 30 Tagen netto. Die Einkäufer, disponierten allgemein sehr vorsichtig. Die Hoffnung auf weitere Preissenkungen spielt dabei vielfach eine Rolle.

Gleichzeitig mit der Messe für Haus- und Wohnbedarf wurde das ständige Lager „Westdeutsches Handelshaus“ (Hochhaus) eröffnet, das als eine Ergänzung der Messe gedacht ist.