Mit der zusammengefaßten Wiedergabe der Plädoyers von Kravchenkos Anwälten und denen der Verteidigung beschließen wir unseren ausführlichen Prozeßbericht, der sowohl die Vorgänge hinter der politischen Kulisse als auch die Sensationen an Rande einer für unsere Zeit symtomatischen Auseinandersetzung festhalten wollte.

Nachdem Maître Heiszmann einige der Nebenzeugenkurz aber meisterhaft porträtiert hat, nimmt er die Hauptzeugen unter die Lupe:

„Wir erwarteten mit großer Ungeduld die so oft angekündigte und immer wieder verschobene Einvernahme Frederic Joliot-Curies.“ (Will der Anwalt auf die von der KP inzwischen dementierten Gerüchte von der politischen „Unzuverlässigkeit“ des Gelehrten anspielen, zu denen dieser kürzlich durch eine Rede vor Amerikanern Anlaß gab, bei der er gesagt hatte, die Ergebnisse der französischen Atomforschung kämen keinem anderen Lande als Frankreich zugute? Und will Heiszmann den Eindruck, hervorrufen, daß die Sowjetpartei gezögert und Weisungen abgewartet habe, ehe man Joliot-Curie auf die Zeugenbank schickte?)

„Dieser“, so fuhr Heiszmann fort, „hat Kravchenko vorgeworfen, abfällig über das russische Bildungswesen geschrieben zu haben und machte das hohe Niveau der russischen Wissenschaft und Forschung gegen den Kläger geltend Kravchenko hat aber nirgends die russische Forschungsarbeit kritisiert, sondern lediglich die intellektuelle Absperrung des russischen Volkes vom Ausland angeprangert. Das ist etwas ganz anderes. Die Erziehung besteht doch nicht allein in der Vermittlung der sogenannten exakten Wissenschaften, sondern auch darin, daß man die Jugend mit fremden Zivilisationen sachlich bekannt macht und ihr nicht solche Märchen erzählt wie dies, daß die Moskauer Untergrundbahn die erste sei, die gebaut wurde, die zeitlich erste!“ (Warum denn nicht? Nachdem selbst der Champagner unter Stalins Regierung von einem Charkower Trust für Schaumgetränke erfunden worden ist.)