Unter dem Vorsitz von Schlange-Schöningen findet am 8. April in Köln eine in ihrer Zusammensetzung ungewöhnliche Konferenz statt. Prominente Vertreter der beiden christlichen Kirchen – unter ihnen Kardinal Frings und der Präsident des Rates der Evangelischen Kirche Dibelius – werden mit Sachverständigen der Bauernverbände, der Flüchtlings Vertretungen und der Verwaltung für Ernährung und Landwirtschaft, einen Plan erörtern, der von der Verwaltung für Ernährung und Landwirtschaft ausgearbeitet und seit längerer Zeit in den Versammlungen und Zeitschriften der Bauernverbände diskutiert wurde. Zweck dieses Planes ist es, den aus dem Osten vertriebenen Landwirten und landwirtschaftlichen Arbeitern im Rahmen sogenannter Patenschaften rasche Hilfe zu bringen. Ortsansässige Bauern mit Grundbesitz über 25 ha sollen diesen Flüchtlingen ein Stück Land verpachten, totes und lebendes Inventar überlassen und ihnen bei der Errichtung von Wohn- und Stallräumen mit Hand- und Spanndiensten helfen. Um für den einheimischen Bauern dieses Ansinnen attraktiver zu gestalten, werden ihm diese Leistungen auf seine Verpflichtungen aus dem Lastenausgleich angerechnet, der damit gleichzeitig eine persönliche Note bekäme. –

Man will auf diese Weise die Kräfte der Selbsthilfe anregen und hofft die Mithilfe der einheimischen Bauern dadurch zu gewinnen, daß sich ihnen die Aussicht bietet, in Zukunft ihre Häuslichkeit nicht mehr mit einer Flüchtlingsfamilie teilen zu müssen. Dem Ostvertriebenen wiederum soll aus Mitteln des Lastenausgleichs eins finanzielle Unterstützung zur Erleichterung der Existenzgründung gegeben werden. Ferner will man sogenannte „wüste Höfe“, deren Wohn- und Stallgebäude für nicht-landwirtschaftliche Zwecke verwendet werden und „auslaufende Betriebe“, deren Besitzer infolge hohen Alters und mangels nachfolgender Erben den Betrieb nicht mehr in vollem Umfang aufrechterhalten können, an Flüchtlinge verpachten. Vorsichtige Berechnungen ergeben, daß von den 400 000 bis 450 000 aus der Landwirtschaft Ostdeutschlands stammenden Flüchtlingsfamilien etwa ein Drittel durch die erwähnten Maßnahmen zu Grund und Boden kommen könnte.

Die Kirchen wollen das Projekt, das ihre Billigung findet, mit ihrem moralischen Einfluß unterstützen. Die Vereinbarungen zwischen Einheimischen und ostvertriebenen Landwirten sollen freiwillig abgeschlossen werden. Ein solcher Akt der Selbsthilfe, bei dem man nicht erst auf Bonn, den Wirtschaftsrat oder wen immer warten muß, wäre der beste Dienst, welcher der in ihrem Ansehen gerade bei den Heimatvertriebenen so schwer geschädigten Demokratie erwiesen werden könnte.

R. S.