„Der Respekt, den man Joliot-Curie schuldet, darf nicht verhindern, daß wir gerade in bezug auf die Aussagen dieses Gelehrten ein Grundübel mit dem Namen nennen, das bei diesem Prozeß immer wieder in Erscheinung getreten ist: Die Verwechslung der Werte! Verleiht der Ruhm seiner atomwissenschaftlichen Arbeiten Herrn Joliot-Curie besondere Erleuchtungen über soziale und politische Probleme?“

Es ist eine Wohltat, daß der Anwalt den Mißbrauch mit dem Gewicht militärischer, kirchlicher oder wissenschaftlicher Würdenträger, den die Verteidigung in der Wahl ihrer Zeugen getrieben hat, endlich klar beleuchtet. Das Buch Kravchenkos ist eine Anklage gegen den Terror, der in Rußland herrscht. Dieses Thema durchzieht das ganze Buch. Und darauf hat keiner der wichtigen Zeugen der Verteidigung geantwortet, Rudenko und Vassilenko, mit deren amtlicher Autorität man die Wahrheit so naiv zu bevormunden suchte, haben sogar ausdrücklich jede Antwort auf die Fragen nach der Freiheit in Rußland verweigert. Nur der anglikanische Domherr ist in diesem Punkt Kravchenko mit der Sicherheit eines Nachtwandlers entgegengetreten, und hat damit seinen Zeugenschwur gewiß nicht zum Meineid gemacht, denn wie blind muß ein Geistlicher sein, wenn er nicht einmal fähig ist zu sehen, daß die religiöse Freiheit, die er an Rußland rühmt, nichts als die Freiheit von Zigeunern ist, die Freiheit derer nämlich, die wegen ihrer religiösen Oberzeugung und Betätigung vom öffentlichen Leben praktisch ausgeschlossen sind, wie bei uns nur die Leute, die im grünen Wagen wohnen.

Mit dem Zeugen Goborow, jenem ehemaligen General der Armee Denikines, ist Maître Heiszmann ganz besonders zärtlich: „Was ich beurteilen kann, das ist das Urteil, das dieser sich über einen anderen Menschen erlaubt. Er wagt es, Kravchenko einen Verräter zu nennen! Er, der nicht nur in der von den Fremden bewaffneten Armee Denikines gekämpft, sondern auch befehligt hat in dieser Armee, die ihr eigenes Land verwüstet und ihre Volksgenossen massakriert, hat, um ihnen die Liebe zum Zaren beizubringen! Ich verlange diesen Zeugen als Belastungszeugen gegen die Angeklagten. Halten diese den General nicht für einen Verräter, dann haben sie Kravchenko bewußt verleumdet!“

Madame Gorlowa spielte schlecht

Zu dem Erscheinen der Madame Goriowa sagt Heiszmann: „Wir hatten geglaubt, es ginge in diesem Prozeß um Verrat oder um Freiheit. Unsere Gegner haben uns zeigen wollen, daß es sich um Abtreibungen und zerbrochenes Porzellan handelt.“ Er zerpflückt viele Einzelheiten von dem, was diese Frau gegen ihren einstigen Mann vorgebracht hat, und schließt mit der Feststellung, daß sie die Rolle, die man ihr zugewiesen, schlecht gespielt habe.

Die Zeugen Kolybalow, Vassilenko, Romanow und insbesondere Rudenko, sagt Maître Heiszmann, seien in ihrem Land bedeutende Personen. „Man hat uns die Ehre angetan, sie uns zu schicken. Ihre Aussagen stellten an das Gewissen eines französischen Juristen eine schwerwiegende “Frage, die Maître Izard behandeln wird. Ich will die den Angeklagten günstigste Hypothese mir zu eigen machen und annehmen, daß diese Zeugen aus freien Stücken, ohne Befehl und Instruktionen hergekommen sind. Aber selbst dieses angenommen, können wir nicht übersehen, daß sie als die Mitschöpfer und Platzhalter eines Regimes, welches sie gegen dessen äußere und innere Feinde verteidigen müssen, in Kravchenko einen ihrer größten Feinde sehen müssen. Denn er hat ihre Reihen verlassen und klagt sie jetzt vor der ganzen. Welt an. Wenn dieser Prozeß vor einem Schwurgericht stattgefunden hätte, wäre es den Herren Kolybalow, Vassilenko, Romanow und Rudenko möglich gewesen zu schwören, daß sie ohne Haß sprechen würden? Und an dieser Zeugenbank? Haben sie hier ohne stillen Vorbehalt, selbst unbewußten, schwören können, die Wahrheit zu sagen?“

Dann unterzieht Heiszmann die Aussagen dieser Zeugen einer strengen Kritik. Von General Rudenko sagt er: „Dieser ist einige Tage nach den anderen Zeugen in Paris eingetroffen und beinahe direkt vom Flugzeug an die Zeugenbank gekommen. Und da hat er uns verraten, daß Kravchenko durchaus der Chefingenieur eines Trusts gewesen ist, eine wahre Enthüllung nach dem, was die anderen Sowjetzeugen einige Tage zuvor behauptet hatten. Es gibt einen Vorwurf, den man dem General Rudenko gewiß nicht machen kann, den, daß er ein Dummkopf sei. Und so hat er sehr wohl verstanden, was er angerichtet hatte, und gleich seine Aussage eingeschränkt und jenen. Trust zu einem Kombinat von kleinen Fabriken herabgesetzt. Es ist immer die gleiche Methode.“ (Gelächter. Es handelt sich um jenen Unterhosentrust, von dem wir seinerzeit berichtet hatten.)