Es gibt Worte –: die haben einen drastischen Klang. Sieht’ man diese Worte aber obendrein in großen Buchstaben gedruckt, so braucht man die Nerven eines Götz von Berli(hingen, um nicht zu erschrecken. Das Talent des sprachbegabten Menschen liegt in diesen Fällen in der Kunst der Umschreibung, und Götz von 3erlichingen verdankt diesem Umstände seinen viel zitierten Ruhm.

Es gibt ja Ruhm der verschiedensten Sorten-So hat die Sucht nach Ruhm ein neu erschienenes Organ nicht schlafen lassen: es wollte alles überbieten, was bisher geboten wurde. Es überschrieb seinen Leitartikel in großen Buchstaben mit dem Wort: „Beschiß“.

An Drastik läßt dies freilich nichts zu wünschen übrig. Doch wozu das harte Wort? Der „Hausbesitz“ fühlte sich durch das „Vervaltungsaint für Wirtschaft“ in Frankfurt am Main „betrogen“ hinsichtlich der Vorschriften über Untermietzuschläge. Und da war es die „Norddeutsche Hausbesitzerzeitung“ in Kiel, die, nachdem sie, wie sie stolz mitteilt, im März 1943 ihr Erscheinen einstellte, nunmehr mit dem Schlachtruf „Beschiß“ die Arena der Öffentlichkeit vielversprechend von neuem betrat.

Mögen die Hausbesitzer noch so sehr auf die Wirtschaftsbehörden in Frankfurt erbost sein – geht nicht diese Spekulation auf die primitivste Schimpfsucht etwas weit? Und dies, während in anderen Spalten des gleichen Organs gegen die „Verwilderung“ der Begriffe -gekämpft wird! Wie wäre es, wenn man diesen Kampf gegen die Verwilderung beim eigenen Leitartikel begänne?

Ich höre die Einwände: „Menschenskind, nun hab’ dich nur nicht so! Auch dir ist das zitiert eindeutige Wort sicher ganz hübsch geläufig, sofern du diese ganze Zeit wirklich miterlebt hast!“ Gewiß, aber wenn schon „Zeiterlebnis“ – so darf wohl ganz bescheiden bemerkt werden, daß die Gelegenheit, sich auf: „Zeitnähe“ zu berufen, in diesem Zusammenhange für den Hausbesitz und diese seine Zeitung nicht sehr günstig ist. Denn manche Herren, die ihre Häuser und ihre Habe behielten, können sich kaum vorstellen, wie seltsam den Flüchtling – eben weil er die Zeit verdammt aus der Nähe erleben mußte, wobei ihm seine Habe samt Hausbesitz abhanden kam – das Gejammer hinsichtlich des Wassergeldes und des Unter-, mietzuschlages anmutet.

Plüsch und Nippes sind allenthalben, so scheint es, noch ganz hübsch intakt. Wie wäre es denn, wenn man die Theorie von den „guten Stuben“ ein ganz klein bißchen mit der Praxis der „guten Kinderstube“ kombinieren könnte? Wie will ein Organ, das in Nummer 1 solchen Ton anschlägt, seine Lautstärke steigern? Wie heißt der Komparativ von „Beschiß“? Das sollte man sich vorher überlegen! – us