Waren im Werte von rund 200 Millionen Dollar sind im letzten Jahre illegal über die Grenzen des Dreizonengebiets ins Ausland gebracht worden. Diese Schmuggelausfuhren machen mindestens ein Fünftel, vielleicht sogar ein Viertel der regulären Exporte aus. Zusammen mit den Einfuhren an Schmuggelware, die wertmäßig zum mindesten in der gleichen Größenordnung liegen, bedeuten diese illegalen Ausfuhren für die westdeutsche Wirtschaft ein handicap, wie es schlimmer kaum gedacht werden kann.

Vor einigen Monaten hörte man, daß die Detektive der USA-Besatzungsbehörde in einer großen Fahndungsaktion erfolgreich durchgegriffen hätten; ein „gang“, der mit Hilfe von Ausländern (und deren Autos) Waren im Werte von vielen Dollar-Millionen ins Ausland verschoben hatte, wurde gesprengt. Dann blieb es lange Zeit recht still um diese Aktion; nur von einer Verschärfung der Grenzkontrollen – auch gegenüber Angehörigen der Besatzungsmächte – wurde berichtet. Jetzt aber, Mitte April, sollte der Prozeß gegen die Schmugglerbande beginnen. Ihr Führer, ein Amerikaner, ist nach der Festnahme entflohen. Sechs von den sieben Angeklagten sind mittlerweile „verschwunden“: sie waren nämlich gegen Stellung einer Kaution von insgesamt 205 000 DM aus der Haft entlassen worden... Nur der letzte Angeklagte, ein deutscher Spediteur, der nicht so wie seine DP-Komplizen eine Kaution stellen konnte, wird sich noch vor Gericht zu verantworten haben, wie eine Asso-Preß-Meldung besagt.

Von caution – Vorsicht – kann nun freilich bei den hier geforderten Summen, die allenfalls den Betrag der hinterzogenen Umsatzsteuern ausmachen, kaum die Rede sein; eher könnte man von einer Farce sprechen. Der analoge Fall, daß ein wegen riesiger illegaler Einfuhrgeschäfte endlich gestellter Ausländer, gleichfalls der Klasse der DPs angehörend, nach Hinterlegung einer ganz geringfügigen Kautionssumme flüchtig geworden ist, hat sich übrigens dieser Tage in Lüneburg (ereignet. Wenn man weiß, wie billig falsche Personalpapiere für DPs zu haben sind, kann man eigentlich nur die Beamten des Fahndungsdienstes von Polizei und Zoll bemitleiden, deren Tun einen phantastischen Leerlauf bedeutet: haben sie endlich einen der Groß-Schmuggler hinter Schloß und Riegel gebracht, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Zelle in Kürze leer sein wird und daß der Gangster unter anderem Namen an anderer Stelle sein „Geschäft“ fortführt... n. f.