Was halten Sie von Schlange-Schöningen? – so fragte neulich die „EMNID“, das Bielefelder „Institut für Marktforschung und Marktbeobachtung“ und forschte 3000 Personen aller Bevölkerungsschichten nach ihrer Meinung über den Direktor der Verwaltung für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus. Prompt trat eine Tatsache in Erscheinung, die man im demokratischen Alltag und in der Zeit der „galuppierenden“ Umfragen immer wieder beobachten kann –: es gibt, von den Parteien der Politik abgesehen, drei Parteien des Temperaments: die Positiven (die sind dafür), die Negativen (die sind dagegen), die Indifferenten (denen ist es egal). Was glaubt man aber, welche Partei am stärksten ist? 50,1 v. H. sagten: „Dafür oder dagegen... das weiß ich nicht“. Rechnen wir hinzu, daß 7.1 v.H. den Namen der Ministers a. D. nie gehört hatten, so besaß in diesem Falle die Partei der „Egal“-Sager und Achselzuckenden die absolute Mehrheit (57,2 v. H.). Und es ist ja nicht nur dieser Fall, der zur Schande unserer noch immer wenig ausgebildeten demokratischen Talente offenbart, daß der Haufe der Indifferenten zwar nicht mächtiger, aber zahlreicher ist als die Phalanx der Leute von Kritik. Von 3000 Befragten waren 19,2 v. H. für Schlange-Schöningen, 23,6 v. H. gegen ihn. Nun sind 3000 Befragte zwar nicht das trizonale Volk. Doch immerhin ...

Danach gingen die Fragesteller weiter vor und ordneten die Antwortenden nach ihren Berufen –: Die Angehörigen der freien Berufe kannten Schlange-Schöningen alle, 40 v. H. waren für ihn, 40 v. H. blieben neutral; nur 20 v. H. waren gegen ihn. Ausgerechnet bei den Landarbeitern waren die meisten „Neutralen“ (70 v. H.), bei ihnen auch die meisten Ignoranten (18 v. H.) –: die hatten nie etwas von ihm gehört. Und die Bauern? 26 v. H. bejahten Schlange-Schöningens Politik; 25,4 v. H. verneinten sie; 46,7 v. H. wollten nichts entscheiden, 1,3 v. H. erwiderten: „Schlange? Nie gehört. Die meisten Stimmen gegen ihn brachten die Industriearbeiter auf (276 v. H.). Aber 48,5 v. H. blieben neutral und 10,3 v. H. kannten ihn nicht.

Und wiederum gingen die Rundfragenden einen Schritt weiter und baten die „Ja“- und „Nein“- und die „Egal“-Sager, ihre Stellungnahme zu begründen. Die meisten Positiven erwiderten: „Er kann nichts dafür. Ein anderer ist auch nicht besser“. (Ob das nun so positiv ist!) Andere: „Ich bin für ihn, weil er Maß hält. Er will allen gerecht werden.“ Oder: „Er hat nicht mehr zu verteilen. Undankbare Sache!“ Oder: „Er tut, was er kann und verfolgt seine Politik mit Mut.“ Oder: „Er behandelt die Bauern gerecht.“ Oder: „Es gibt noch Schlechtere.“ Die negativen Kommentare, die diesmal nur knapp überwiegen, sagen: „Er ist Ostelbier, tut nur etwas für die Bauern und nichts für die Werktätigen.“ Oder: „Er greift nicht genügend durch.“ Oder: „Er hält nicht, was er verspricht.“ Oder: „Er geht zur Erholung in die Schweiz, weil er sich von seinen eigenen Rationen in der Schweiz erholen muß.“ Oder: „Er unterstützt die Bauern nicht genug.“ Oder: „Er bewirtschaftet noch zuviel.“ Und schließlich brummte ein generaliter negativ eingestellter Mann – nach seinem Vokabular offensichtlich ein landwirtschaftlich oder wenigstens zoologisch interessierter Mensch –: „Die deutschen Ochsen sitzen in der Regierung, die deutschen Säue laufen dem Tommy nach und ich Rindvieh arbeite.“

Dürfen wir diese Antwortgeber auch kommentieren? Wir meinen mit Reuter: Die Armut kommt von der Powerteh! M.