Obwohl die neugegründete Industriebank von vornherein nur ein Abbild en miniature ihrer Vorgängerin, der Deutschen Industriebank (ursprünglich; Bank für deutsche Industrie-Obligationen), werden sollte, die zuletzt 670 Mill. RM Eigenkapital und offene Reserven auswies, gelang es nicht einmal, das bescheidene Ziel der Aufbringung von 20 Mill. DM Kapital zu erreichen. Unglücklicherweise geriet die Auflegung der Zeichnungslisten in die Zeit der sich verschärfenden Geldklemme, und so waren am 29. März, als der Gründungsakt vollzogen wurde nur 12 Mill. DM Aktien zum Emissionskurse von 105 v. H. gezeichnet. Aber in Anbetracht der widrigen Umstände, unter denen das Unternehmen gestartet wurde, sind die Initiatoren der Gründung auch mit diesem Ergebnis zufrieden.

Die angesprochen Wirtschaftsverbände hatten eifrig die Werbetrommel für die Zeichnung gerührt und dabei in allen Wirtschaftskreisen Widerhall gefunden. So ist die Zeichnungsliste auch keineswegs zur Domäne einiger weniger Großindustrieller geworden, sondern weist mit einer Vielzahl von kleinen Beträgen regional und branchenmäßig eine recht weite Streuung auf. Nur in wenigen Fällen haben sich einzelne Unternehmen mit mehr als 25 000 DM beteiligt. Entsprechend dieser starken Mischung in der Zeichnungsliste ist auch der Aufsichtsrat zusammengesetzt, dem Vertreter der verschiedensten Wirtschaftszweige angehören. Besonders erwähnenswert ist die Berufung eines Schweizers, Dr. Oeri, die auf Grund der namhaften Beteiligung von schweizerischen Firmen in Deutschland erfolgte. Dank dem Einverständnis der Militärregierungen konnten auch die Unternehmen, deren Vermögen durch Gesetz Nr. 52 beschlagnahmt sind, an der Aktienzeichnung teilnehmen, und sogar die dem Gesetz Nr. 75 unterworfenen Konzerne, die vor ihrer Liquidation stehen, hatten die Möglichkeit, sich auf dem Umwege über ihre selbständigen Tochtergesellschaften einzuschalten,

Als überraschend und bedauerlich zugleich muß die Zurückhaltung des Handels vermerkt werden, Entgegen ihrer Firmierung wird nämlich die Industriebank (ebenso wie ihre Vorgängerin) die Gewährung langfristiger Kredite auch an den Handel übernehmen. Und bei der Deutschen Industriebank entfielen nicht weniger als 50 v. H. aller vergebenen Kredite auf Handwerk und Handel – was den (an sich wohl denkbaren) Einwand entkräftet, daß „der“ Handel für Investitions-Kredite ja doch nicht in Frage kommen werde. Es hätte sicherlich im Interesse des Handels gelegen, sich auch jetzt wieder an der Gründung zu beteiligen. Aber der Einzelhandel war nicht einmal der Einladung zum Zusammentritt des Gründerkonsortiums gefolgt, und später reichten auch die Bemühungen einiger weniger Einsichtiger nicht aus, um doch noch eine wesentliche Beteiligung des Handels zu erreichen.

Wenn auch mit der Gründung von Bankinstituten fehlende Kredite nicht herbeigezaubert werden können, so ist mit der Bildung der Industriebank doch wenigstens die notwendige organisatorische Voraussetzung geschaffen, um die langersehnte Gewährung mittel- und langfristiger Kredite in Gang zu bringen. Die Wiederaufbaubank in Frankfurt wird ja, entsprechend den Weisungen der Militärgouverneure, die Gelder, die sie aus den Counterpart Funds erhält – abgesehen von einigen Großkrediten –, nicht direkt an die Wirtschaft weiterleiten, sondern Spezialbankinstitute einschalten. Freilich wird man, solange die Steuerlast nicht fühlbar vermindert wird, trotz allem Eifer nur armselige imnsale heimischen Kapitals zusammenbringen,

Die neue Industriebank wird in ihrer Geschäftstätigkeit also in die Fußtapfen der Deutschen Industriebank treten, mit der sie im übrigen in Personalunion steht. Rechtlich währt jedoch das alte Institut seine Selbständigkeit R-r.