Bei großer deutscher Beteiligung wurde am Vergangenen Dienstag die bis zum 27. April andauernde Mailänder Messe eröffnet.

Mailand, im April

Jedes Jahr treffen sich in der zweiten Hälfte des April Kaufleute aller Welt in Mailand zur Internationalen Mustermesse. Aus kleinsten Anfängen ist diese großartige Schau europäischen und überseeischen Gewerbefleißes gewachsen, ein Musterbeispiel dafür, was händlerische und industrielle Initiative in Verbindung mit einer geographisch denkbar günstigen Lage zu leisten imstande ist.

Wer heute das riesige Messegelände am Nordwestausgang der lombardischen Hauptstadt besucht, wird sich die Anfänge dieser Musterschau in den Jahren nach dem ersten Weltkriege nur schwer vorstellen können: Eine Reihe bescheidener Holzbaracken am ehemaligen Stadtwall bei der Porta Venezia, würdige Herren in Zylinder und Cutaway, und ein Anfangskapital von sage und schreibe nur 15 (fünfzehn) Lire, für die man heute gerade eine Tageszeitung kaufen kann. Seit 1920 – dem ersten Jahre der „Fiera Campionaria di Milano“ – hat die Messe nur dreimal nicht stattgefunden: 1943, 1944 und 1945. So ist die diesjährige Veranstaltung (12. bis 29. April) die 27. ihrer Art und die vierte nach Ende des zweiten Weltkrieges.

Der Werdegang der Messe läßt sich am besten an Hand der Statistik verfolgen. 1920 waren es 1233 Aussteller, 1925 schon fast 3000, 1930 über 4000, 1935 5220 und 1937 schließlich 5485, eine Zahl, die erst im Vorjahre wieder übertroffen wurde. Die Zahl der ausländischen Aussteller stieg von 256 im Jahre 1920 auf 1747 im Jahre 1937, ein Rekord, der auch 1948 noch nicht Frieder erreicht wurde. Am erstaunlichsten aber ist der schnelle Wiederaufbau der Fiera nach Ende des zweiten Weltkrieges. Die schweren Bombenschäden waren bereits im Vorjahr wieder vollständig beseitigt, und die Gesamtzahl der Aussteller stieg in den drei Jahren von 1946 bis 1948 von 2519 auf 5600, die Anzahl der ausländischen Aussteller sogar von 309 auf fast 1500. Die gesamte Messefläche aber umfaßt heute 327 000 qm, davon 135 000 überdacht.

Besonderen Wert hat die Fiera di Milano immer auf offizielle Beteiligung des Auslandes gelegt. Auch hier sind die Zahlen in den letzten Jahren sprunghaft von nur 4 Nationen 1946 auf 18 im Vorjahre und 22 dieses Jahr gestiegen. Offiziell sind dieses Mal von europäischen Ländern vertreten: Frankreich, Großbritannien, Norwegen, Holland, Belgien, die Schweiz, Deutschland (Trizone), Luxemburg, Österreich, die Türkei, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Bulgarien, Polen und Ungarn. Aus Übersee beteiligen sich: Kanada, Südafrika, Ägypten (zum ersten Male), die Philippinen, Kolumbien, Pakistan und die Republik Haiti. Die Tatsache, daß auch 5 Länder hinter dem „Eisernen Vorhang“ offiziell ausstellen, beweist, daß Italien die verhängnisvolle Zweiteilung Europas zumindest handelspolitisch nicht anerkennt. Mit einer derart weitgespannten Auslandsbeteiligung steht Mailand heute mit Abstand an der Spitze aller Messen der Welt.

Auf besonderes Interesse können auch in diesem Jahre wieder die ausstellenden deutschen Firmen rechnen. Insgesamt erwartet man über 200, von denen gut die Hälfte eigene Stände haben wird. Immer mehr zeigt sich hier die Notwendigkeit eines möglichst intensiven Warenaustausches zwischen Italien und Deutschland, ein Austausch, der sich aus den wirtschaftlichen Besonderheiten der beiden Länder fast zwangsläufig ergibt. Vor allem ist Italiens Wirtschaft auf die Erzeugnisse der deutschen feinmechanischen und optischen Industrie gespannt, Produkte, bei denen die besondere Leistungsfähigkeit der deutschen Fabriken nach wie vor anerkannt wird.