der Bekümmerung um den vierten* großen Krieg, der schon hinter dem dritten heraufzieht, wo China gegen Amerika kämpft

führen, das versäumte Gespräch, an dem wir kranken: weil wir es verdrängt, in die Sommerfrische verbannt haben. Um so schöner, wenn die Dichter uns die Zunge lösen.

Das aber ist in den „Tessiner Episteln“ des Ernst Wilhelm Eschmann geschehen. Auch wenn ihre Tessin-Herkunft nicht ausdrücklich genannt wäre, bedürfte es keiner Wünschelrute. Die Wasser, die in den wie unabsichtlich gesagten Zeilen pochen, verraten ihre Heimat:

Heute, als ich unter den Trompetenblumen auf der Terrasse lag, hätte ich mit meinem Buch beinahe zwei Ameisen erschlagen. Da es ein Buch von Tibet war und den frommen Mönchen dort, die vor allem Lebenden Ehrfurcht haben, wäre das nicht nur traurig, sondern auch im höchsten Grade unpassend gewesen.

Eschmann hat in seinem „Punktbuch“ über Gott meditiert. Doch dies nicht in der Sprache der Mystiker. „Wer zu Gott will, darf nicht den Willen haben, zu ihm zu gehen.“ Offenbar ist die lateinische Sphäre des Tessin den Kathedralen von Chartres, dem Münster von Zürich und dem Kölner Dom weit entrückt. Darum begegnet uns in Eschmanns Episteln ein irdischer, ein erdverhafteter Gott. Und nicht nur, daß die Mystik fehlt –: alle Dinge liegen nahe, greifbar und sind doch beseelt. Vergessen wir nicht, daß die Poeten des Auges, die van Gogh oder Gauguin, längst mit dem idealistischen Fernweh gebrochen haben und Apfel, Zimmer, Stühle mit der Poesie des Einfachen versehen haben.

Es ist nicht das „Thema“, der „Plan“, der diese Episteln beherrscht – so wenig wie die Natur ein Thema oder einen rationalen Plan hat –, sondern es ist ein Kommen und Gehen, ein erscheinendes Anschlagen der Tastatur, als ob der Klang, die Reinheit des Tons nur spielerisch geprüft würde. Wo immer aber der Dichter zu improvisieren scheint, regen sich die Tessiner Penaten.

Zweifellos gibt es eine Literatur, in der dieser formlos geformte Ton zu Hause ist: die angelsächsische. Eliot hat schon in seinem „Prufrock“ (1917) den Spaziergang der Verse scheinbar unverbindlich an die verborgenen Quellseen menschlichen Tiefsinns gelockt und die„pattern“, die Art und Weise gefunden, das Bedeutende ohne Akzent, ohne Pathos und ohne symbolistische Formenstrenge mitzuteilen. Aber der deutschen Literatur ist dieser Weg bisher versagt geblieben. Stefan George, der in Minusio begraben liegt, hat seinen Jüngern den Katechismus der Formen vermacht, den auch Rilke mit seiner barockeren Syntax nicht gesprengt hat. Es schien bisher unmöglich, daß – wie es Eschmann jetzt gewagt hat – ein lyrisch gültiges Gedicht so profan beginnen konnte wie: