Es ist ein deprimierendes Faszit, das uns der französische Film „Das Spiel ist aus“ (in deutscher Erstaufführung im Esplanade-Theater, Hamburg) hinterläßt! Der Mensch ist zu schwach, die Freiheit, die er – ja, wüßte man nur von wem – geschenkt bekommen hat, wirklich zu ertragen. Jean Paul Sartre, der gemeinsam mit Jean Delannoy das Drehbuch des Filmes schrieb; korrigierte seinen Orest aus den „Fliegen“: denn die Kette der Vergangenheit drückt Eve und Pierre, das tragische Liebespaar dieses Films, im Gegensatz zu Orest Zu Boden und läßt sie die Chance der Freiheit verpassen.

Beide starben eines gewaltsamen Todes. Eve wurde von ihrem Gatten vergiftet, Pierre als Widerstandskämpfer von einem Verräter erschossen. Aber, da sich beide im Leben nie begegnet waren und jetzt im Reiche der Toten einander zu lieben glauben, gibt man ihnen das Leben für 24 Stunden zurück. In diesen 24 Stunden müssen sie ihre Liebe auf Erden verwirklichen, kein Mißtrauen darf nach Ablauf dieser Frist zwischen ihnen herrschen. Pierre und Eve verlieren das Spiel: Eve kann sich nicht von der Sorge um eine geliebte Schwester, Pierre nicht von seinen ehemaligen Kameraden trennen. Die Freiheit ist verpaßt –, beide kehren zurück in die Geschichtlichkeit der Menschen. Und zu dieser Geschichtlichkeit gehört als Ende nun einmal – der Tod. Sie sterben ihn zum zweiten: Male, diesmal endgültig.

Dieser ebenso kühne wie packende Film in der subtilen Regie von L. Goulian und H. Jaquillard hatte in Micheline Presle (Eve) und Marcel Pagliero (Pierre) zwei Darsteller von großer Einfachheit in Geste und Ausdruck. – Das Spiel zwischen ungebundener menschlicher Freiheit und der uns allen anhängenden „Last der Vergangenhat“ wurde variiert durch ein philosophisches Nebenthema, das an Plato erinnerte: denn wie im Höhlengleichnis des großen Griechen die Menschen, die das „Sonnenlicht“ geschaut haben, dann, wenn sie in die Höhle zurückkehren, „von – den Höhlenbewohnern verspottet, verhöhnt oder gar erschlagen werden“, ehe die an Schatten gewöhnten Erdenbürger dem Licht der Wahrheit glauben, so werden auch Eve und Pierre verlacht oder gar für Verräter gehalten, als sie versuchen, den Freunden der Vergangenheit die Wahrheiten, die sie im Reich der Toten sahen, mitzuteilen. Paul Hühnerfeld