Der Verfasser des folgenden Artikels, Herr Helmut Classen, Hamburg, ist vor einiger Zeit von einer längeren Informationsreise nach Mittelamerika und Mexiko zurückgekehrt,

Mittelamerika, die Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika, umfaßt die sechs Republiken Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica, Panama und die britische Kolonie Britisch Honduras, ein Gebiet von etwa 650 000 qkm, mit heute etwa 7,5 Millionen Einwohnern. Nur mit seinem südöstlichen Teil, der Halbinsel Yucatän, gehört Mexiko zu Mittelamerika, als dessen nordwestliche Grenze die Landenge von Tehuantepec gilt.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts blieb Mittelamerika unter spanischer Oberhoheit, und erst nachdem sich Mexiko von der Fremdherrschaft befreit hatte, machte sich auch Mittelamerika (1821) unabhängig. 1822 schloß sich Mittelamerika mit dem mexikanischen Kaiserreich zusammen; schon im nächsten Jahr allerdings wurde diese Union wieder gelöst. 1823 gründeten Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Costa Rica einen Bundesstaat: die Vereinigten Staaten von Zentralamerika. Die damals noch kaum lösbaren Verkehrsprobleme, Widerstände gegen die Kirche, innere Parteikämpfe und auch die unterschiedliche Zusammensetzung der Bevölkerung in den einzelnen Staaten ließen diesen Versuch bald scheitern; die einzelnen Staaten bilden also seitdem selbständige Republiken. Wiederholt, wurden Versuche der Neubildung der Union gemacht, und 1895 bis 1898 kam es noch einmal zu der sogenannten „República Mayor de Centroamerica“, der Nicaragua, Honduras, El Salvador und Guatemala angehörten. Die letzte Vereinigung in den Jahren 1921/22 umfaßte nur noch Honduras, El Salvador und Guatemala.

Diese Entwicklung begünstigte die Vorrangstellung der USA in den zentralamerikanischen Republiken. Mit Unterstützung von Nordamerika wurde weiterhin Panama 1903 (aus Columbien)als selbständige Republik herausgelöst, das ebenso, wie auch Nicaragua, in starke Abhängigkeit von den USA geriet.

Immer wieder wurden in den verflossenen 100 Jahren die fünf selbständigen Staaten Mittelamerikas durch Revolutionen beunruhigt. Costa Rica, das in der Zeit der spanischen Herrschaft hinter seinen Nachbarstaaten am stärksten zurückgeblieben war, nahm seit der Erlangung der Selbständigkeit die gedeihlichste Entwicklung, wohl nicht zuletzt dank seiner ruhigen, arbeitsamen Bevölkerung, in der die weißen Nachkömmlinge der Spanier mit 75 v. H. das farbige Element bei weitem überwiegen. Entscheidend mag hierfür auch die gesunde Besitz Verteilung auf vorherrschend kleine und mittlere Farmen gewesen sein, sowie die starke Vermehrung der Bevölkerung – Kennzeichen, die auch für die Entwicklung von El Salvador entscheidend waren.

Wie unterschiedlich sich die Bevölkerung der mittelamerikanischen Staaten zusammensetzt, ergibt sich aus folgender Aufstellung;

Gesamt- Mischlinge