Von unserem Schweizer Korrespondenten

Zürich, Mitte April

Am 11. April hat in Annecy die internationale Wirtschafts Versammlung begonnen, die eine größere Anzahl von Teilnehmern zu Zoll- und Tarifverhandlungen vereint, als dies je zuvor der Fall war. Über 500 Delegierte waren angemeldet, die rund 150 Büros in Anspruch nehmen werden, weshalb denn auch, wegen des in Genf herrschenden Raummangels, diese Versammlung nicht im „Palais des Nations“, sondern in dem nahen (französischen) Städtchen Annecy abgehalten werden muß, das praktisch völlig von der Versammlung belegt ist.

Die Verhandlungen werden nach dem vorläufigen Plan des Genfer Büros der UNO etwa drei Monate in Anspruch nehmen. Sie sind von dem Sekretariat der ITO (Exekutivsekretär Eric Wyndham White) organisiert. Bisher sind 36 Regierungen vertreten. Das sind einmal die 23 Länder, die Partner des General Agreement on Tariffs and Trade (GATT) sind, das 1947 in Genf zum Abschluß kam, und weiter 13 neu beitretende Länder, die nun eben über den Anschluß an den GATT verhandeln. Von europäischen Staaten gehören, dazu: Dänemark, Finnland, Schweden, Griechenland und Italien. Jeder von den 23 GATT-Staaten kann in Annecy mit jedem von den 13 beitretenden Ländern Verhandlungen führen, so daß zwischen diesen beiden Staatengruppen 260 Verhandlungen und zwischen den 13 beitretenden Ländern 78, im ganzen also 338 bilaterale Verhandlungen möglich sind ... Jede von ihnen hat aber gleichzeitig multilaterale Wirkung, da ein Land nicht nur von den Konzessionen profitiert, die ihm sein Verhandlungspartner gibt, sondern (dank der obligatorischen Meistbegünstigungsklausel) auch von jeder anderen zwischen zwei beliebigen Verhandlungspartnern erreichten Zollreduktion.

Die Verhandlungen werden unter Ausschluß der Öffentlichkeit geführt; abgesehen von einigen allgemeinen Berichten über die erzielten Fortschritte, sollen keine Berichte des Information Centre der Genfer UNO ausgegeben werden.

R. K. N.