Die Zeit nach der Währungsreform brachte bald – allen Prognosen zum Trotz – eine sehr gute Konjunktur für die Radiowirtschaft. Der Mensch lebt eben nicht von Brot allein, und Radio-Hören ist ein billiges Vergnügen, denn es kostet nur zwei DM im Monat, nachdem man für die einmalige Anschaffung eines Radioapparates in Familienkreis gesammelt oder die zu zahlenden Raten als mit dem laufenden Einkommen vereinbar festgestellt hatte. Die Nachfrage erstreckte sich vom Einkreiser bis zum Großsuperhet.

Ende November 1948 horchte der Verbraucher auf. Man kündigte ihm einen billigen Superhet an, und der Begriff „Jedermann-Geräte“ begann durch die Spalten der Presse zu geistern. Wir bekommen also Besseres für weniger Geld – so dachten viele. Die Nachfrage entsprach sehr bald nicht mehr den Erwartungen. Der billige Superhet – der niedrige Preis (228 DM) war seine beste Eigenschaft – war nicht oder nur in geringen Stückzahlen lieferbar. Man wartete also. Man wartete weiter, denn Demontage der Wellen, Kopenhagener Wellenplan, Ultra – Kurzwellen-Rundfunk, Mittelwellensender nur noch unter 200 m, Radioapparate 1950 nicht mehr brauchbar – das waren weitere Schlagzeilen-Schreckgespenster, die auftauchten und die Laien erschütterten.

Die Radiowirtschaft produzierte weiter. Aber die Geräte flossen nicht mehr ab. Und so setzten sich schließlich Industrie, Groß- und Einzelhandel Mitte Februar in Frankfurt (Main) zusammen. Man beschloß eine Umtauschaktion: 15. v. H. Nachlaß für Geradeaus-Empfänger und Großsuperhets und 5 v. H. bei den Superhets der niedrigeren Preisklassen unter 400 DM, winken dem Käufer, wenn nur ein altes oder unbrauchbares Gerät abgegeben wird. Man will damit erreichen, daß das Geschäft wieder einen normalen Umfang annimmt und möchte außerdem die Marke „Uralt“, deren Reparatur sich nicht mehr lohnt, aus den Werkstätten verschwinden sehen.

Es ist schwer, heute eine Bilanz zu ziehen und festzustellen, ob die Umtauschaktion die gesteckten Ziele erreichen wird. Viele Händler haben im Rahmen dieser Aktion gut verkauft, andere haben kaum Nachfrage. Eine Reihe von Apparatefabriken hatte vorher ihre Preise gesenkt; auch die Radio-Röhren-Fabriken verbilligten ihre Erzeugnisse. Seit dem 14. April haben verschiedene Unternehmen der Rundfunkindustrie für Restposten ihrer Produktion noch eine weitere Preissenkung vorgenommen. Nunmehr ist jedoch anzunehmen, daß das augenblicklich erreichte Preisniveau beibehalten werden wird.

A. Sanio