Was kostet der Atlantikpakt? So fragen immer eindringlicher die besorgt an die Steuerzahler denkenden Mitglieder des amerikanischen Kongresses. Von einer Rüstungshilfe von 1,5 Mrd. Dollar war zuerst die Rede gewesen, Jetzt sollen es nur noch 1,25 Mrd. sein. Viele Senatoren bezweifeln aber, daß der amerikanische Steuerzahler so billig davonkommt, und verlangen, daß das Gesetz über die Rüstungshilfe zusammen mit dem Atlantikpakt vorgelegt wird. Die Zahl von 1,25 Mrd. Dollar läßt sich nämlich kaum vereinbaren mit Angaben über die geplante Aufrüstung.. 45 erstklassig ausgerüstete europäische Divisionen seien notwendig, am die Rheinlinie zu halten, hieß es zunächst. Die Zahl ist zwar inzwischen auf 35 Divisionen ermäßigt worden, aber diese 35 Divisionen müssen ausgerüstet werden, da den kontinentaleuropäischen Staaten das notwendigste an Rüstungsmaterial fehlt. Ohne diese Hilfe hat nach Meinung der westeuropäischen Staaten der Atlantikpakt kaum einen Sinn. Sie können nämlich ihre mit dem Atlantikpakt gegebenen militärischen Verpflichtung gen nur erfüllen, wenn Amerika die Rüstung liefert. Der amerikanische Generalstabschef, General Bradley, hat dies, anerkannt.

General Bradley wird aber kaum erbaut gewesen sein über die Perspektiven, die sich anläßlich des Besuches seines französischen Kollegen Revers für diese Rüstungshilfe abzeichneten. Der französische Generalstabschef mußte eingestehen, daß Frankreich leider nicht aufrüstet, sondern abrüstet, weil die wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse dies erzwingen. Der französische Militäretat sieht Aufgaben von nur 350 Mrd. Francs für das laufende Jahr vor, während 450 Mrd. notwendig wären, um nur den Stand des Vorjahres zu halten. Luftwaffe und Flotte mußten, vernachlässigt werden, der Bau von Kriegsschiffen, wie des Schlachtschiffes „Jean Bart“ und des „Clemenceau“, wurde praktisch eingestellt, um den Stand der Armee einigermaßen zu halten. Aber dennoch genügen, nach einer Angabe der „Neuen Zürcher Zeitung“ von den im Mutterland stationierten Truppen nur zwei Panzerdivisionen modernen Ansprüchen, Die Amerikaner erkennen in ihren offiziösen Berichten immerhin an, daß die französischen Truppen dank der neuen Ausbildungsmethoden von General Lattre de Tassigny gut trainiert seien. Jetzt gilt es, die Waffen bereitzustellen, damit in spätestens zwei Jahren 35 europäische Divisionen, davon mindestens 20 französische, bereitstehen. W. G.