Kopenhagener Plan bereinigt Wellenchaos – Bisherige Geräte bleiben brauchbar

Im Sommer des vergangenen Jahres setzten sich die Experten von 33 europäischen Ländern in Kopenhagen zur längst fälligen Bereinigung derauf Mittel- und Langwellen inzwischen chaotisch gewordenen Verhältnisse zusammen. Die Aufgabe war nicht einfach zu lösen, galt es doch, mehr als 380 Rundfunksender auf 137 Wellen unterzubringen und zugleich eine Verteilung von weit über 50 Stationen zu besprechen, die in den kommenden Jahren in den Ländern Europas, Nordafrikas und dem vorderen Orient ihre Stimme erheben werden.

Die Planung für Westdeutschland

Die Schwierigkeiten konnten, allgemein gesehen, behoben werden. Die neue Verteilung der Wellen wurde im „Kopenhagener Wellenplan festgelegt, der inzwischen von 27 Nationen unterschrieben worden ist, darunter von den englischen und amerikanischenDelegierten, die die deutschen Besatzungszonen vertraten. Eine Durchsicht der Pläne läßt erkennen, daß sich die gegenwärtig unhaltbaren Empfangsbedingungen innerhalb Europas nach dem Inkrafttreten der neuen Verteilung sehr verbessern werden. Der westdeutsche Hörer, im Zentrum Europas, darf mit einem sehr viel günstigeren Fernempfang rechnen.

Das Negativ um ist die Tatsache, daß die Einigung in Kopenhagen zu einem guten Teil auf Kosten Deutschlands erfolgte, d. h. etwa die Hälfte des deutschen Besitzes an Mittel- und Langwellen wurde gestrichen und jede Besatzungszone bekam nur noch zwei Mittelwellen zwischen 187 und 309 Metern zugewiesen. Diese sind, technisch gesehen, weniger günstig als längere Wellen, so daß die Rundfunkversorgung Westdeutschlands in Schwierigkeiten geraten könnte, wenn nicht die Sendergesellschaften Vorsorge treffen würden.

Der Nordwestdeutsche Rundfunk will nun zusätzliche Mittelwellensender aufstellen und außerdem den bisher von der BBC benutzten Sender Norden-Osterloog (Ostfriesland) übernehmen.

Die französische Zone erhält drei neue Sender, die ebenfalls nur auf Mittelwellen arbeiten, so daß hier gleich günstige Verhältnisse wie in der britischen Zone herrschen werden. Es handelt sich um den neuen Großsender Wolfsheim (zwischen Mainz und Bad Kreuznach) sowie je einen 20-KW-Sender im Raum Freudenstadt Tübingen und im Bodenseegebiet. Der Wolfsheimer Sender wird den bisherigen Sender Kaiserslautern überflüssig machen, den man abmontieren und in den Raum Trier zur Versorgung der Randzone verlegen will. Am UKW-Rundfunk will sich der Südwestfunk vorerst nicht aktiv beteiligen.