Früher mit 25 v. H., heute noch mit 1 v. H. am deutschen Außenhandel beteiligt

Die Länder Ostasiens, jene Gebiete „am goldenen Saum des Bettlermantels Asiens“ zwischen Burma und Japan, waren einst mit fast einem Viertel am deutschen Außenhandel beteiligt. Davon ist heute praktisch noch 1 v. H. übriggeblieben. Alle Anstrengungen der deutschen Außenhandelsstellen und der Industrie, diesen Handel zu beleben, haben in den letzten drei Jahren wenig gefruchtet. Ostasien wurde durch das Kriegsgeschehen und die kommunistischen Aufstände der jüngsten Zeit weit in seiner Entwicklung zurückgeworfen.

Nur das kleine Siam, dank einer besonders geschickten Politik heute wie eine Oase der Unversehrtheit anmutend, konnte sogleich nach Kriegsende die Fäden seiner alten Verbindungen und damit auch seine ehemalig ausgedehnten Handelsbeziehungen mit Deutschland erneut aufnehmen. Aus Siam bezog Deutschland 1948 Waren für 0,77 Mill. Mark und lieferte dafür Industriegüter für l,6 Mill. Sind diese Summen auch klein und erreichen sie auch nicht den Vorkriegshandel beider Länder, so beweisen sie doch, wie sehr Deutschland und seine ostasiatischen Partner von einem erneut aufgenommenen Handel profitieren könnten, wenn die Umstände es gestatteten. Seit Ende Februar befindet sich eine siamesische Handelsdelegation in Frankfurt, um mit der JEIA und der Verwaltung für Wirtschaft die ersten direkten Besprechungen nach dem Kriege aufzunehmen, von denen eine erhebliche Erhöhung des Warenverkehrs, erhofft werden kann.

Mit Deutschlands ehemals führenden Handelsgärtnern in Ostasien, nämlich China und Japan, sind in den vergangenen Jahren zwar geringe Warenposten ausgetauscht worden, aber ein ordnungsmäßiger Handelsverkehr besteht noch nicht, China, das einstmals zu den meistversprechenden, Märkten Deutschlands gehörte, hat noch keine offiziellen Handelsbeziehungen mit Deutschland wieder aufgenommen. Nanking steht auf dem Standpunkt, daß zwischen beiden Ländern „der Kriegszustand noch andauert“, und daß daher friedliche Beziehungen noch nicht statthaft seien. Dennoch verzeichnet die Außenhandelsstatistik für 1948 eine deutsche Einfuhr aus China von 11 Mill. und eine deutsche Ausfuhr dorthin von 2,4 Mill. Mark. Diese Zahlen entsprechen etwa 1 v. H. des früheren Außenhandelsvolumens beider Länder. Sie umfassen geringfügige Abwicklungsgeschäfte, die in der Zwischenzeit abgeschlossen sind und keine nennenswerte Fortsetzung erwarten lassen. Von den deutschen Waren, die 1948 (im Wert von 2,4 Mill.) nach Hongkong verschifft würden, dürfte allerdings ein zusätzlicher Teil nach China weitergeleitet worden sein, da es sich hierbei um solche Warengattungen handelt (Maschinen und Farben), an denen in China großer Mangel herrscht, der aber im amtlichem Wege (da die Handelsvertretungen nicht über genügend Dollars verfügen) nicht abgestellt werden kann. Bevor China nicht zur Ruhe gekommen ist, kann eine wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung nicht erwartet werden.

Aussichtsreicher sind vielleicht die Möglichkeiten im deutsch-japanischen Handel. Da nun die Beschränkungen des japanischen Wirtschaftslebens gelockert sind, mag es möglich sein, daß bald einmal auch Beauftragte des japanischen Außenhandels hier eintreffen. Deutsche Industrieguter aller Art werden, besonders da auch dort die Demontage schwere Lücken schlug, zum Auftau der japanischen Industrie gebraucht. Das Verlangen nach deutschen Qualitätserzeugnissen sei heute dort so stark wie je, hört man; japanische Ressentiments gegenüber Deutschland dürften kaum bestehen. Japans Orientierung nach den USA wird natürlich künftig eher zunehmen, Dies steht aber einem Wiederaufleben des deutsch-japanischen Handels durchaus nicht im Wege, da Deutschlands Lieferungen früher vorwiegend aus Spezialprodukten bestanden, mengenmäßig nicht umfangreich, dagegen wertmäßig ziemlich bedeutend. 1948 importierte Deutschland aus Japan für 20 Mill. und exportierte für 0,2 Mill.

Holländisch-Indien, vor dem Kriege ein beachtlicher Partner des deutschen Außenhandels, dürfte durch die letzten militärischen Aktionen aufs neue in große Schwierigkeiten gekommen sein, was um so bedauerlicher ist, als 1948 unser Handel mit Indonesien erfreuliche Ansätze zur Belebung gezeigt hatte. Die Ausfuhr dorthin betrug 3,4 Mill. und die Einfuhr von da 13,9 Mill. Sollte es zu einer Gründung der „Vereinigten Staaten von Indonesien“ kommen (im Programm der UNO ist sie für das kommende Jahr festgesetzt), dann kann damit gerechnet werden, daß (falls keine neuen Restriktionen erlassen werden), sich hier ein lohnendes Feld für den deutschen Export entwickeln wird. Vorerst aber schreitet die Zerstörung der wertvollen Plantagen und Industrieanlagen fort.

In Britisch-Malaya gelang es den Engländern, wenn auch erst nach langwierigen Kämpfen, die Bevölkerung zu beruhigen. Auch dies Gebiet war früher ein geschätzter Partner Deutschlands, besonders da wir seit je beträchtliche Posten an Kautschuk und Zinn, nicht zu reden von Kopra und Palmöl, kauften. Die Zerstörungen waren nicht so umfangreich, wie ursprünglich befürchtet, und so läuft nun das Wirtschaftsleben. Malayas wieder auf vollen Touren. Die Kolonialmacht England ist allerdings nicht recht bereit, seinem alten Rivalen im Welthandel die Rückkehr zu erleichtern. Da sie überdies in Pfund Sterling verkauft, Deutschland dagegen in Dollar abschließen muß, haben englische Unternehmer einen wesentlich leichteren Stand. Deutschland hat ja niemals mit mehr als 10 v. H. an Malayas Handel partizipiert; so werden Deutschlands Aspirationen kaum Englands Neid herausfordern. 1948 bezogen wir Waren für 10 Mill. aus Malaya und lieferten dahin Industriegüter für 4,3 Mill.