Von unserem Wiener Korrespondenten

Unmittelbar nach Kriegsende bestand zwischen Österreich und Deutschland kaum ein nennenswerter legaler Außenhandel. Deutschland „durfte“ lediglich Kohle an Österreich liefern, sonst gar nichts. Und Österreich seinerseits „durfte“ über die Kabel des alten Verbundnetzes dem Nachbarn elektrischen Strom zuleiten.

Nur sehr langsam sind auch einige Rohstoffkompensationen in Gang gekommen. Schließlich erreichten im Jahre 1948 die deutschen Lieferungen 466 (Vorjahr 210) Mill. Schilling; 407 (203) Mill. Schilling entfielen davon auf Kohle. Die österreichischen Gegenlieferungen hielten bei 115 (37) Mill. Sie bestanden zur Hälfte aus Kalk-Ammonsalpeter; von der anderen Hälfte zählt man 13 Mill. für feuerfeste Ziegel, 7 Mill. für Magnesit, 7 Mill. für Metalle, 4 Mill. für Mineralien, 8 Mill. für Papier und 4 Mill. Schilling für Bücher und Zeitungen. Der Rest waren Zufalls- und Mustersendungen. Genau begehen sind alle diese Posten – die deutschen Kohlenlieferungen ausgenommen – für eine ehemalige Außenhandelsherrlichkeit doch nur bescheidene Beträge. Deutschland ist zwar mit seinen Kohlensendungen weiterhin der größte tieferer Österreichs geblieben, aber nur, weil der österreichische Außenhandel insgesamt erst etwa die Hälfte der Vorkriegsmenge erreicht hat.

Eine Steigerung des Warenaustausches soll und wird nun ein neues Abkommen bringen, das zwischen Österreich und der Doppelzone Ende 1948 unterzeichnet wurde. Die Sowjetzeitungen bezeichneten das Abkommen als „Versuch und Beginn eines Anschlusses“ und als Verstoß gegen den allgemein beschlossenen Grundsatz einer „wirtschaftlichen Lostrennung Österreichs von Deutschland“. Nun ist aber gerade beim wirklich existenzentscheidenden Gut, deutscher Kohle, diese Lostrennung selbst 1945 nicht einmalvorübergehend gelungen: in der Sowjetzone Österreichs heizt man auch heute noch mit Ruhrkohle.

Die deutschen Kohlenlieferungen und die österreichischen Stromabgaben werden durch das neue Abkommen nicht berührt; sie gehen ohne Veränderung weiter. Das Abkommen sieht zusätzlich in jeder Richtung Kontingente von knapp 20 Mill. $ vor. Die Verrechnung erfolgt im Clearing. Nur für österreichische Magnesit-Transporte im Ausmaße von einer Mill. $ ist die Zahlung in Dollar vorgesehen.

Im einzelnen soll die Doppelzone u. a. liefern: feuerfesten Ton, Eisen- und Stahlrohre, Maschinen und Maschinenersatzteile, Fahrzeuge, Elektromaterial, Chemikalien, Pharmazeutika, Glaswaren, Leder und Hopfen.

Die ersten Maschinen sind bereits eingetroffen. Besonders wichtig ist für die österreichische Industrie die Möglichkeit, Ersatzteile zu den früher aus Deutschland bezogenen Maschinen erhalten zu können. Man hat bisher viele krumme und oft abenteuerliche Wege gehen und hohe Sonderspesen bezahlen müssen, um solche Bestandteile – manchmal kaum im Wert von zehn Mark – zu erhalten;