China, so erklärte Außenminister Acheson, hätte seit Kriegsende mehr als zwei Milliarden Dollar von den USA erhalten. Dies habe jedoch dem kommunistischen Vormarsch nicht Einhalt gebieten können. Er sei überzeugt, daß weitere amerikanische Hilfeleistungen nur den Bürgerkrieg verlängern, die Lage aber nicht verändern würden. Vielmehr würden durch eine Anleihe für die USA Verpflichtungen entstehen, die „fast mit Sicherheit katastrophal wären“.

Auch die meisten nichtkommunistischen Politiker in China scheinen schon längst davon überzeugt zu sein, daß die Partie verloren ist. Allerdings ist es nicht klar, ob die Nationalchinesen nicht erst zu dieser Oberzeugung gekommen sind, als sie die Hoffnung auf eine wirksame amerikanische Hilfe aufgeben mußten. Die Regierung Ho Ying Tschin, die sich liberal nennt, hat jetzt Steine andere Aufgabe zu erfüllen, als so schnell wie möglich zu einem Waffenstillstand mit den Kommunisten zu gelangen – also die „Geschäfte“ den Kommunisten zu übergeben. Daß die neuen Minister sich von Tschiangkaischek zu distanzieren versuchen, indem sie die frühere Regierung reaktionär nennen, ist weiter nicht verwunderlich. Es war in der neuen Geschichte immer so: von Kerenski in Rußland am Ende des ersten Weltkrieges – bis zu Bagjanoff in Bulgarien am Ende des zweiten. Sie alle waren überzeugt von der „großen Mission“, die sie zu erfüllen hatten, besaßen jedoch weder die Konsequenz, noch die Dynamik der Extremisten und mußten deswegen untergehen.

Die Kommunisten werden also bald über ganz China herrschen. Daran wird auch die Auffassung vieler amerikanischer Kommentatoren nichts ändern können: in Moskau habe man viel mehr Grund beunruhigt zu sein als in Washington, weil die große Gefahr für die Russen darin bestehe, daß sich aus Mao Tse Tung ein Titoist entwickele. Im Kreml habe man überhaupt keine Begeisterung über den Sieg der Kommunisten in China gezeigt und das sei der Beweis dafür, daß Stalin seinen chinesischen Genossen mißtraue. Doch Tschiangkaischek scheint von solchen Kombinationen nicht viel zu halten und mehr Sinn für Realpolitik zu haben. Er schlug nämlich der Nanking-Regierung vor, sich auf die Insel Formal zurückzuziehen und dort eine günstigere Entwicklung der internationalen Lage abzuwarten... B–w