Beim Kauf eines Rundfunk-Empfängers hat der

deutsche Käufer schon immer einen besonderen Geschmack entwickelt. Seine Wünsche beginnen beim Gehäuse. Es mußte meist ein großes Edelholzgehäuse sein. Und vom Gerät selbst erwartete er einen zuverlässigen technischen Aufbau mit einer hervorragenden Fernempfangsleistung und einem ausgezeichneten Klang.

Diesen Käuferwünschen suchten die Hersteller stets entgegenzukommen. Vor dem Kriege waren es in Deutschland rund 30 Fabriken, die sich mit der Fabrikation von Rundfunkgeräten befaßten. Heute ist ihre Zahl auf etwa 120 angewachsen!

Unter diesen 120 Fabriken befinden sich allerdings viele Kleinbetriebe, die es in den kommenden Monaten schwer haben werden, sich gegen die Konkurrenz der führenden und bekannten Unternehmen durchzusetzen. In der vordersten Reihe der deutschen Rundfunkwirtschaft stehen die bereits aus der Vorkriegszeit bekannten Werke wie „Telefunken“, „AEG“, „Graetz“, „Philips“, „Lembeck“, „Schaub“, „Saba“, „Seibt“, „Lorenz“, „Blaupunkt“, „Siemens“, „Lumophon“, „Mende“ und andere. Viele dieser Fabriken hatten in den Kriegsjahren schwere Beschädigungen erlitten oder sahen sich gezwungen, nach Verlust ihrer Fabrikationsanlagen im Osten Deutschlands nun in den Westzonen neue Fertigungsstätten aufzubauen.

Die Überwindung der erheblichen Schwierigsten ist ihnen gelungen, wie man aus den Fertigingsprogrammen der Betriebe entnehmen kann. So bringt z. B. die Graetz KG. einen eleganten Sechskreis-Super mit drei Wellenbereichen heraus. Ferner hat die Firma Lembeck & Co. einen neuen Sechskreis-Allstrom-Superhet „Junior“ entwickelt, der eine interessante Neukonstruktion darstellt, da er – in Verbindung mit einer Ultrakurzwellenvorsatzstufe – bereits für den späteren Empfang der Ultrakurzwelle vorbereitet ist. Als Nachfolgefirma der Staßfurter Rundfunk-Gesellschaft mbH. stellt jetzt die Continental-Rundfunk GmbH, die Superhet-Empfänger „Continental“ und „Imperial“ her. Die Firma Jungmann propagiert neben ihrem Sechskreis-Super „Universum“ vor allem einen preiswerten Vierkreis-Volkssuper. Auch die Lorenz-AG. hat ihre Produktion erweitert und kommt nach sorgfältiger Erprobung mit zwei neuen, ansprechenden Geräten (Typ „Hannover“ und Typ „Stuttgart“) auf den Markt. Von den Lumophon-Werken werden augenblicklich vier Typen, produziert; es sind dies ein Einkreiser, ein Vollsuper, ein Super und ein Großsuper. Die gleiche Typenzahl erreicht auch das Fertigungsprogramm der Grundig-Werke, die nach dem Kriege mit ihren Geräten „Heinzelmann“ und „Weltklang“ zu einem führenden Unternehmen der deutschen Rundfunkwirtschaft wurden. Bei den Philips-Werken steht ein großer Allstromsuper und bei Schaub der Vierkreis-Super „Junior“ im Vordergrund der Fertigung. Die Geräte von Saba und Krefft wurden ebenfalls auf den neuen Wellenplan umgestellt. Das gilt auch für die Telefunken-Produktion, die u. a. aus dem Allstromsuper „Zauberland“, dem Sechskreis-Heimsuper und dem Koffersuper besteht.

Von den jungen Nachkriegsbetrieben verspricht u. a. die Firma Wobbe-Radio eine erfolgreiche Entwicklung zu nehmen. Sie siedelte, kürzlich nach Rendsburg über, wo sie bessere Fabrikationsmöglichkeiten vorfand, und ist jetzt dort mit der Herstellung von Wobbe-Kleinstempfängern und von Supern beschäftigt. ww.